Altern, Sterben und Tod

…wie Gesellschaften mit dem Unumkehrbaren umgehen, wie wir sterben und welche Gedanken ein Selbstmörder hat…

Hallo zusammen. Hier, übrigens noch einmal, die Hausarbeit, die ich schon vor ein paar Wochen gepostet hatte. Leider war das damals in einem InDesign-Flash-Scheiß, den niemand bedienen konnte. Hier also das ganze noch einmal als ganz normaler Text. Kopieren und als selbstgeschrieben abgeben unerwünscht. Wer Text kopiert erscheint bei mir mit kopiertem Text, IP-Adresse und Ort in der Statistik. Also lasst es.

1. Vorwort

In dieser Hausarbeit werde ich versuchen, das Phänomen Tod in seine Einzelteile aufzuschlüsseln. Phänomen? Ja – auch wenn es sich sicherlich Millionen mal pro Tag ereignet ist der Tod eine Sache, die wir einfach nicht verstehen können, obwohl wir sie massiv mit allen wissenschaftlichen Mitteln untersuchen. Niemand kann sich wirklich vorstellen, wie es ist, auf einem Sterbebett dahin zu siegen und auf einmal nichtmehr Herr über sich selbst zu sein. Auch Menschen mit Nahtoderfahrungen wissen nicht, ob das was sie gesehen haben wirklich eine Todesvision oder doch nur ein Fibertraum war. Und doch stirbt man. Und was passiert dann? Ist man dann einfach tot, oder verbringt man seine Zeit auf ewig in einer paranormalen Welt, in der alles schön ist? Oder in einer ebenso paranormalen Hölle, in der man für immer den schlimmsten Qualen ausgesetzt ist? Alles Fragen, die niemand mit letzter Sicherheit beantworten kann, denn bis jetzt ist noch niemand aus dem sagenumwobenen Jenseits zurückgekehrt…

Wahrscheinlich, weil es dort einfach viel zu schön ist.

In dieser Hausarbeit werden Sie in fast jedem Abschnitt einen kursivgedruckten Text finden. Der normalgedruckte Teil soll das jeweilige Thema in sachlicher Hinsicht erläutern. Der kursive Teil soll das Thema durch ein aus dem Leben gegriffenes Beispiel verständlich machen, sodass Sie etwa im „Altern“-Teil auf Sabine stoßen werden. Im „Sterben“-Teil erleben Sie den Tod von Heinz mit und werden von Nina lernen, dass man trauern muss, um über einen Todesfall hinweg zu kommen. Im „Sterbehilfe“-Teil wird die Problematik am Beispiel von Rosi verdeutlicht, bevor wir schließlich den suizidalen Eric „kennenlernen“ und von ihm erfahren, wie es ist, sich vom Leben ausgespuckt zu fühlen.

2. Altern

„Altern bedeutet die allmähliche Umwandlung von Lebensqualität in Lebensquantität.“

Gerhard Uhlenbruck

2.1 Warum wir aufhalten wollen, was nicht aufzuhalten ist…**

Niemand will altern, ich glaube das kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen. Der Markt für Anti-Aging-Produkte ist einer der Größten und wenn man sich mal die Fernsehwerbung, nicht nur in Deutschland, anschaut, wird man feststellen, dass fast jede dritte Werbung ein Produkt anpreist, das das Wunder der Jungerhaltung vollbringen soll, das wir uns doch eigentlich alle wünschen. Alte Menschen, zum Beispiel unsere Großeltern gelten zwar als nett, sie geben uns immerhin zu Weihnachten und zum Geburtstag das meiste Geld, doch was, wenn man irgendwann genauso alt ist wie sie? Niemand will darüber nachdenken, wie der Lebensabend wirklich ist, denn dann ist es ja nicht mehr weit bis zum Tod, auch wenn unsere Lebenserwartung bis heute immer höher gestiegen ist und auch immer noch stetig steigt. Gerade bei Jugendlichen, die ihr ganzes Leben sozusagen noch vor sich haben, ist der Wunsch nach Erfüllung sehr groß, doch wenn man sich vorstellt, alt zu sein, kommt auch schnell der Gedanke auf, dass man nach einem unerfüllten Leben stirbt. Keine schöne Vorstellung…

Sabine hatte am Anfang einfach nur geschockt in den Spiegel geblickt, als sie an einem stressigen Nachmittag, an dem sie eigentlich eine Hausarbeit fertig schreiben wollte, ihr erstes graues Haar in der sonst so braun-lockigen Haarpracht entdeckte. Wurde sie etwa jetzt schon alt? Immerhin war sie erst 25 und mitten im Studium. Aber ab wann wurde man eigentlich alt? Vorsichtig trat Sabine näher an den Spiegel, um ihr Gesicht nach Fältchen abzusuchen. Neben ein paar ganz kleinen Fältchen war nichts zu sehen, puh!

2.2 Wie wir physisch altern

Fangen wir von vorne an:

Alles beginnt mit zwei Menschen. Diese beiden Menschen, ob sie sich nun lieben oder nicht, beschäftigen sich mit der wohl schönsten Nebensache der Welt: Sie haben Sex. Und weil sie bereits seit Monaten ein Kind geplant haben, sich Namen ausgedacht und Spielsachen für das frisch renovierte Kinderzimmer gekauft haben – oder weil der One-Night-Stand einfach kein Kondom benutzt hat – finden die Millionen männlichen Samenzellen ihren Weg vom Hoden des Mannes, durch die Prostata, den Harnleiter in die Scheide, die Gebärmutter und von dort aus in den Eileiter der Frau, wo auch schon eine Eizelle „wartet“. Das schnellste Spermium verschmilzt nun mit der Eizelle und aus den beiden halben, haploiden Chromosomensätzen wird ein diploider, vollständiger Chromosomensatz. Es ist eine Zygote entstanden – sozusagen die Quellzelle eines jeden Menschen. Diese teilt und teilt und teilt und teilt sich immer wieder, es entstehen Stammzellen, die später zu den verschiedenen Zelltypen werden. Die Zygote nistet sich schließlich nach vier bis sechs Tagen in der Gebärmutter ein und heiß fortan Embryo. Die Zellen teilen sich weiter und aus dem Zellhaufen werden primitive Organe, die schließlich irgendwann in der achten Schwangerschaftswoche schon die Strukturen eines menschlichen Körpers erkennen lassen. Ein Fetus ist entstanden. Nach neun Monaten ist es soweit und das Kind wird geboren. Es hat nun die embryonale Phase durchlaufen und wachst weiter heran. Auch dies kann man schon als Altern bezeichnen. Mit ca. 12 Jahren beginnt die Pubertät und das Kind/der Jugendliche erlangt die Geschlechtsreife. Mit ca. 21 Jahren ist die Pubertät vollständig abgeschlossen und die sogenannte adulte Phase beginnt. Der Mensch ist ausgewachsen und erfüllt in biologischer Hinsicht mit der Fortpflanzung den Sinn des Lebens.

Doch warum altert man? Diese Frage ist noch nicht bis aufs Letzte beantwortet, aber viele wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass auch Menschen, wie alle anderen Tiere, über einen genetisch programmierten Zelltod im Erbgut jeder Zelle verfügen. Dies hat den biologischen Sinn, dass Tiere, die ihr Erbgut an die nächste Generation weitergegeben haben, sich also fortgepflanzt haben, eigentlich keinen Grund mehr haben weiter zu leben. So gibt es im Tierreich einige Spezies, die gleich nach dem Geschlechtsakt bzw. nach der Geburt der Jungtiere sterben – eben, weil die Jungtiere z.B. schon von Geburt an selbstständig sind und die „Eltern“ sozusagen überflüssig werden. Beim Menschen ist es jedoch etwas anders: Wenn Menschen gleich nach Geburt der Kinder sterben würden, würde es auch nicht lange dauern, bis das Neugeborene stirbt. Menschliche „Erzeuger“ genießen also eine Art Aufzuchtzeit. Aber warum sterben die Eltern denn dann nicht nach etwa 20 Jahren, wenn die neue Generation selbständig ist und das Abi in der Tasche hat?

Die Wissenschaft vermutet, dass menschliche Eltern den Kinder nicht nur in der Zeit des Heranwachsens helfen, sondern auch darüber hinaus, denn wenn man auch mit 35 immer mal wieder ein wenig von den Eltern unterstützt wird – und sei es nur finanziell – ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man evolutionär mehr Erfolg hat. Dieses Prinzip nennt sich auch „evolutionäre Fitness“.

Um wieder auf das Altern an sich zurückzukommen:

Um zu wachsen müssen wir Körpermasse anbauen. Wie machen wir das? Genau: Unsere Zellen teilen sich! Und das nicht selten. Eine biologische Theorie, die sogenannte Fehlertheorie, besagt, dass der Alterungsprozess stattfindet, weil sich die Zellen der Körper aller Lebewesen teilen und sich dadurch mehr und mehr genetische Fehler „einschleichen“. Da dies der Natur offenbar bekannt ist, hat sie Teile der Chromosomen für die Zellteilung verantwortlich gemacht. Diese Telomere befinden sich am Ende jedes Chromosoms und werden von Zellteilung zu Zellteilung kürzer. Somit sind viele Zellen nicht unendlich teilbar. Dadurch können sich auch nicht unendlich viele Fehler einschleichen und irgendwann ist dann halt Schluss mit Teilung – was zwangsläufig den Tod bedeutet.

2.3 Wie wir sozial altern

„Beim Sterben spielt sicher eine große Rolle, inwieweit und wie intensiv man die Möglichkeiten des Lebens in seinen Höhen und Tiefen ausgelotet und ausgeschöpft hat.“

Hans-Peter Dürr

Wenn wir merken, dass wir langsam altern, werden oft Gedankengänge ausgelöst, die sich damit beschäftigen, was wir denn machen können um diesen Alterungsprozess aufzuhalten. Schließlich wird man scheinbar immer hässlicher, dümmer, impotenter und man fragt sich, ob man alles erreicht hat, was man im Leben erreichen wollte. Gerade der Gedanke, dass man nach einem unerfüllten Leben einfach so wegstirbt und nichts erlebt hat ist für heutige junge Menschen häufig beängstigend. Beruhigend müsste es doch sein, dass man merkt, dass „die anderen“ ja auch altern. Zwar manchmal mehr oder weniger schnell, aber sie altern.

Ein anderer Prozess ist, dass die Menschen versuchen etwas auf der Welt zu hinterlassen. Sie wollen eine Familie gründen, die ihre genetischen Informationen weiterträgt. Auch lässt sich erkennen, dass die Konzentration auf den eigenen Erfolg abnimmt und versucht wird, der nächsten Generation zu helfen.

Die Wissenschaft ist aktuell der Auffassung, dass das Altern keinesfalls nur biologisch Bestimmt wird – eine wichtige Rolle beim Alterungsprozess spielt auch das soziale Umfeld. Dies kann man beispielsweise daran sehen, dass es verschiedene Länder gibt, in denen nahezu gleiche infrastrukturelle und biologische Umstände herrschen, die aber trotzdem unterschiedliche Lebenserwartungen aufweisen. Dieser Unterschied lässt sich somit auf das soziale Umfeld zurückführen. Wissenschaftliche Studien haben bereits erwiesen, dass nicht nur biologische Ursachen den Zustand unseres Körpers verändern können, sondern auch seelische Begebenheiten. Man könnte also theoretisch sagen, dass ein Mensch, der ein unglückliches Leben voller Unzufriedenheit und voller Leid führt, eher stirbt als ein anderer Mensch, der jedoch die gleichen biologischen Voraussetzungen aufweist (sozusagen ein Klon).

3. Sterben

Sterben – das Ende jedes Lebens. Was passiert da eigentlich?

Heinz wachte eines Morgens um 4:45h auf. Das war eigentlich eine Viertelstunde früher als sonst. Über die vielen Jahre als Bauer hatte er sich an diese extrem frühe Zeit gewöhnt, was ihn aber an diesem Morgen irritierte, waren diese komischen erdrückenden Schmerzen. Er hatte sich zwar schon Wochen davor schwächer als sonst gefühlt, hatte dies aber auf sein bereits fortgeschrittenes Alter von 55 Jahren geschoben. Als er grad dabei war, zu duschen, bemerkte er, dass der Schmerz schlimmer wurde und jetzt auch in seinen linken Arm ausstrahlte. Er lebte allein in dem großen Bauernhaus und seitdem seine Frau ihn verlassen hatte, versuche er, sein Leben mit dem Bauernhof zumindest einigermaßen auf die Reihe zu bekommen. Beim Frühstück, das wie jeden Morgen sehr spärlich ausfiel, spürte er ein extremes Stechen in der Herzgegend…

Heinz hatte soeben einen Herzinfarkt. Die Ursache war in aller Wahrscheinlichkeit, dass Heinz schon lange sehr ungesund gelebt hat, allerdings kann es euch sein, dass er ein erhöhtes Infarktrisiko geerbt hat. Heinz‘ Herzkranzgefäße waren sicherlich verfettet und verplaquet, sodass diese irgendwann verschlossen wurden und eine vollständige Versorgung des Herzmuskels (Myokard) nichtmehr möglich war. An dieser Stelle hat Heinz das Stechen in der Brust bemerkt. Beim Frühstück blieb ihm schließlich das Herz stehen.

Hätte er doch bloß noch eine Frau gehabt. Die hätte dann eine Herzdruckmassage machen, oder zumindest einen Krankenwagen rufen können. Da seine Frau ihn aber, wie gesagt, verlassen hatte, liegt er da. Ohne Puls. Und nach fünf Minuten fangen seine Gehirnzellen an abzusterben. Nach 15 Minuten gehen auch die eh schon unterversorgten Herzmuskelzellen drauf und nach weiteren 15 Minuten sind auch die Nierenzellen tot. Seinen Organspenderausweis kann Heinz also schon mal vergessen… Langsam aber stetig fließt Heinz‘ Blut auf die Körperunterseite, sodass er „oben“ weißlich und „unten“ rot-blau wird und gegen Nachmittag setzt die Totenstarre ein, was aber in Heinz‘ Fall niemand bemerkt, da er ja allein in seinem Bauernhaus liegt. Zudem gerinnt das Blut und die Verwesung des Körpers setzt langsam ein.

Als Heinz‘ Nachbarin nach zwei Tagen mit einem ihr anvertrauten Ersatzschlüssel in das Haus gelangt, weil ihr aufgefallen ist, dass es in letzter Zeit so still ist und die Tiere anscheinend auch nicht mehr versorgt werden, findet sie die Leiche und neben ihr ein mittlerweile ungenießbares Brötchen.

Heinz‘ wird in den nächsten Tagen in einem Grab auf dem Dorffriedhof bestattet…

4. Trauern

Eines schönen Tages klingelte ein Telefon in einer ungewöhnlich aufgeräumten Studentenwohnung. Nina, 25, Medizinstudentin, ging ans Telefon. „Spreche ich mit Nina Steinhäuser?“, meldete sich eine Stimme am anderen Ende. Sie klang sehr ernst. „Ja“ – „Nun, Frau Steinhäuser mein Name ist Max Herrmanns und ich rufe vom Standesamt Hamburg-Harburg an. Ich muss ihnen leider mittteilen, dass ihr Vater, Heinz Steinhäuser, vor kurzem verstorben ist.“ Nina hatte sich inzwischen gesetzt. „Ja… Äh…“, stotterte sie, „…danke…“

Ohne ein weiteres Wort legte sie den Hörer auf. Zwar würde sie in einer halben Stunde eine Vorlesung haben, aber die war nicht annähernd so wichtig wie das hier… Obwohl gerade noch Gedanken an die bevorstehende Zwischenprüfung, die Shoppingtour mit ihrer besten Freundin und der Stress mit ihrem Freund Ninas Kopf beherrscht hatten, konnte sie jetzt an nichts anderes mehr denken als an ihren Vater. Obwohl der Kontakt in letzter Zeit stark unter dem Studienstress gelitten hatte, war sie sich doch immer glücklich, wenn sie ein paar freie Tage finden konnte um nach Hause zu fahren, auf den Bauernhof mit all den Schweinen, Kühen, Pferden – und mit ihrem Vater. Als vor etlichen Jahren ihre Mutter gestorben war, hatte sie ähnliche Gefühle gefühlt, wie die, die sie in diesem Moment verspürte. Damals hatte sie sich alleingelassen Gefühlt. Ihre Mutter war, wenngleich sie und Heinz‘ getrennt gelebt hatten, eine Freundin für alle Lebenslagen gewesen. In den folgenden zwei Jahren hatte Nina mühselig eine, wie sie fand, sehr, sehr gute Beziehung zu ihrem Vater aufgebaut. Doch dieser war jetzt auch weg.

Bilder schwirrten ihr durch den Kopf – Bilder, wie sie auf zum ersten Mal auf einem Pferd gesessen hatte, wie sie in dem kitschig-pinken Planschbecken planschte, das wahrscheinlich jetzt noch auf dem Dachboden des alten Hauses lag. Oder wie sie zum ersten Mal nach langen Jahren ohne Kontakt mit Heinz am Tisch unter ihrem Lieblingsbaum im Garten einen Tee getrunken hatte. Oder, wie sie zusammen nach Bayern gefahren waren, um das Grab von Ninas Mutter zu besuchen – und wie Heinz‘ am Grab geweint hatte.

Das alles machte Nina unglaublich traurig. Sie griff nach dem Telefon. „ja, hallo, hier ist nochmal Nina Steinhäuser. Spreche ich mit dem Standesamt Hamburg-Harburg? Ich wollte fragen, ob die Bestattung meines Vaters schon abgewickelt ist, also…ob ich da noch was machen muss…“ Sie wartete. „Nicht… Ach so… Ja – auf welchem Friedhof ist er denn Begraben?“ Tippgeräusche. „Okay, dann danke nochmal! Tschüss.“

Noch am selben Tag machte sich Nina Steinhäuser auf, um das Grab ihres Vaters zu besuchen…

Trauer ist wohl eines der schlimmsten Gefühle, die ein Mensch fühlen kann. Es ist zwar kein „exotisches“ Gefühl – in diesem Zusammenhang würde ich beispielsweise das Gefühl, das man fühlt wenn man erfährt, dass man einen Hirntumor hat, als „exotisch“ bezeichnen – weil die meisten Menschen ihre Verwandten aus den beiden nächstälteren Generationen kennen und deren Tode auch teilweise miterleben, doch ist es ein sehr starkes, intensives Gefühl, das lange anhält. Es hält sogar so lange an, dass es Einteilungen in „Trauerphasen“ gibt.

Modell nach Verena Kast:

(Verena Kast ist Professorin für Psychologie an der Universität Zürich, Dozentin und Lehranalytikerin am Züricher Carl Gustav Jung-Institut)

Erste Phase: Nicht-Wahrhaben-Wollen

In dieser ersten Phase wirkt der Verlust wie ein Schock und man kann nicht glauben, was da passiert ist. Oft sind Betroffene empfindungslos und fühlen sich, als würden sie einen Alptraum erleben, aus dem sie aufwachen wollen. In Ninas Beispiel wurde diese Phase sehr schnell erlebt, weil sie eine nicht so innige Bindung zu ihrem Vater hatte und wegen ihres Medizinstudiums eine sehr gefasste Haltung zu Thema Tod hat. Diese Trauerphase dauert gewöhnlich ein paar Tage bis wenige Wochen.

Zweite Phase: Aufbrechende Emotionen

In dieser Phase spielen die Gefühle verrückt, man empfindet Wut, Angst, Trauer, Freunde und Ruhelosigkeit durcheinander. Zudem wird meist nach einem Schuldigen gesucht, jemanden, den man für diesen Verlust verantwortlich machen kann. Es können bei den Betroffenen Schlafstörungen und Aggressionen auftreten. Die Aggressionen sollten allerdings nicht unterdrückt werden, da dies zu Depressionen führen kann. Wenn man diese Gefühle zulässt und auch bewusst erlebt, gelangt man in die nächste Phase.

Dritte Phase: Suchen, finden, sich trennen

In dieser Phase nimmt der Betroffene den Verlust immer wieder wahr, weil er durch Bilder, etc. daran erinnert wird. Er muss sich an den Umstand gewöhnen, dass jetzt einiges anders ist. Der Verstorbene wird entweder zu einer Art inneren Begleiter, der das „erfolgreiche“ Trauern begünstigt, oder er wird von dem Trauernden kurzerhand wieder „zum Leben erweckt“, indem der Trauernde ein Pseudoleben führt, das davon ausgeht, dass der Verstorbene noch lebt, weil der Tod nicht akzeptiert werden kann. Sollte letzteres eintreten ist es auch nicht selten, dass sich der Betroffene aus dem normalen Alltagsleben zurückzieht und der Vergangenheit „in der alles schön war“ nachtrauert und keine neuen Dinge oder Veränderungen zulässt, weil diese die Vergangenheit verblassen lassen würden.

Vierte Phase: Neuer Selbst- und Weltbezug

In dieser Phase hat der Trauernde den Verlust soweit akzeptiert und aufgearbeitet, dass es ihm möglich ist, sich wieder zu verändern und neue Beziehungen zuzulassen. Der Verstorbene ist zu einer inneren Figur geworden. Erfahrungen und Fähigkeiten, die vorerst nur innerhalb der Beziehung möglich waren, kann der Betroffene nun auch auf sich selbst übertragen. Außerdem gelangt der Trauernde zu der Einsicht, dass der Verlust zwar schrecklich ist, aber dennoch kein Ende der Welt darstellt.

Es gibt auch noch andere Trauermodelle, z.B. das nach Yorick Spiegel, welche ich hier allerdings nicht mehr aufführen werde.

5. Sterbehilfe und Selbstmord

5.1 Wenn man sterben will – Mord oder Hilfe?

Sie liegt da – und nichts passiert. Rosi, 56, ehemalige Chefin eines großen Textilhandels in Hamburg leidet an der Erbkrankheit Chorea Huntington. Ihre Nerven haben sich seit ihrem zwanzigsten Lebensjahr immer weiter degeneriert. Zuerst ganz langsam, sodass sie zitterte und ihre Feinmotorik gestört war und dann schneller. Jetzt ist sie fast vollständig gelähmt, unfähig zu sprechen und ihre Umgebung nimmt sie auch nur noch schemenhaft wahr, da ihre kognitiven Fähigkeiten fast vollständig verschwunden sind. Sie stellt keinen Augenkontakt mehr zu anderen Menschen her, geschweige denn, dass sie überhaupt etwas mit ihren Augen fokussiert. Die Ärzte haben jede Hoffnung aufgegeben, da Chorea Huntington unheilbar ist. Seit ihrem 45. Geburtstag wird sie nur noch von der Herz/Lungen-Maschine am Leben erhalten. Jede Woche kommen sie ihr Mann und ihre zwei Kinder besuchen. Dann sitzen sie am Bett und reden zu ihr, obwohl sie von den Ärzten wissen, dass sie sowieso keines der liebevollen Worte versteht. Deswegen hat ihr Mann entschieden, dass Rosi nach elf Jahren vegetieren nun endlich erlöst werden soll.

Das Thema Sterbehilfe wird schon seit langem sehr kontrovers in Politik und Gesellschaft diskutiert. Die einen halten es für eine Straftat, die dem Mord gleichkommt, andere finden es sinnvoll, um Menschen mit schweren Krankheiten die letzten Qualen zu ersparen.**

Klar ist es erst einmal abschreckend, wenn man sich vorstellt, einem Menschen beim Sterben zu helfen – doch ist das Mord? Ist es Mord, wenn man eine Person nur von ihren letzten lebensunwürdigen Qualen erlösen will?

5.2 Pro/Kontra Sterbehilfe

ProKontra
· Patienten werden von einem unerfüllten Leben, qualvollen Schmerzen oder sinnlosen Dahinvegetieren erlöst· Angehörige werden von der „Last“ befreit· Ausführender Arzt, ausführende Person und Angehörige entwickeln evtl. Schuldgefühle· Angehörige werden ggf. mit einer sehr schweren Entscheidung konfrontiert· Angehörige erleben eine extreme psychische Belastung

5.3 Das Phänomen Suizid

Dort steht er, Eric, 27, der in seinem Leben nur Pech hatte, dessen Leben bisher nur eine reine Misere war. Und bald ist Schluss, denkt sich Eric. Unter ihm – genau gesagt ca. 150 Meter unter ihm – brausen Busse, Autos und Passanten durch den Alltag, von dem sich Eric schon sein ganzes Leben lang ausgestoßen gefühlt hat. Er will nicht mehr leben. Das einzige was jetzt noch bleibt, ist zu springen, denn alles andere würde zurück in dieses düstere Etwas führen, das ihn, Eric, schon so lange gequält hat. War es Zufall, dass gerade er dies alles erleiden musste? War es Zufall, dass gerade er mit sieben schmerzlich erfahren musste, dass er adoptiert ist? War es Zufall, dass er von seiner „Familie“ wie Dreck behandelt wurde? Dass er der schlechteste Schüler seiner Klasse war, weil er absolut keine Unterstützung von seinen „Eltern“ bekommen hatte? Dass er sich bereits mit 13 in Drogen flüchtete – erst ins Kiffen und dann schließlich Heroin? War es denn auch Zufall, dass der anschließend eine Psychose erlitt, die die gottverdammte Schizophrenie bei ihm auslöste, die viele Nächte seines Lebens unerträglich gemacht hatte?

Eric kann nicht mehr. Nachdem diese schlimmen Dinge seines Lebens in seinem Kopf Revue passiert haben, sucht er nun nach positiven Dingen… Er findet keine – und springt.

Der Selbstmord ist eine Sache, die von den meisten Menschen nur sehr schwer verstanden werden kann. Klar – wieso sollte man auch sein Leben einfach so „wegwerfen“, dafür ist es doch viel zu schön. Doch wenn man Beispiele wie Eric sieht (wobei Eric natürlich ein sehr extremes Beispiel ist), fängt vielleicht ein Gedanke des Verständnisses an zu keimen.

Ursache des Suizids ist in den meisten Fällen (ca. 90%) eine psychische Störung (beispielsweise Depressionen, bipolare Störungen, Schizophrenie oder Borderline). Die restlichen 10% der Suizide werden aus Verzweiflung begangen oder sind das Ergebnis eines sogenannten „Bilanzsuizids“, bei dem die Selbsttötung nach einer gründlichen Überlegung „beschlossen“ wird. In Deutschland bringen sich jährlich etwa 11.000 Menschen um. Dabei waren die Suizide auf 74% der Männer und 26% der Frauen verteilt. Die Zahl der versuchten, aber nicht vollbrachten Suizidversuche ist 10- bis 15-mal höher.

5.4 Meine Meinung

Bevor ich dazu avanciere, die Sterbehilfe oder Selbstmord als recht oder unrecht darzustellen, werde ich hier stattdessen meine persönliche Meinung beschreiben:

Ich denke, es sollte jedem selbst überlassen sein, ob er leben will, oder nicht. Es gibt nun mal Menschen, die derart schlimme Dinge in ihrem Leben erlebt haben, Dinge, die ihr Leben auch mit umfangreicher Unterstützung und Therapie so dramatisch verändern, dass es aus der Perspektive der Person nicht mehr lebenswert erscheint. Allerdings sollten sich alle Menschen, die überlegen ihr Leben zu beenden, klarmachen, dass es aus dem Tod kein Zurück gibt – man kann das Verbluten nicht mehr aufhalten, wenn man sich bereits die Pulsadern in Längsrichtung aufgeschnitten hat. Vom Leben „Ausgestoßene“ sollten sich daher besser zwei oder noch besser dreimal überlegen, ob ihre Situation wirklich so ausweglos ist. Aber wenn weder Psycho- noch Tiefentherapie eine Besserung bewirkt und sich die Person bis aufs letzte sicher ist, dass sie ihr Leben nicht länger leben will, sollte sie das Recht haben, dem Ganzen ein Ende zu setzen. Wenn die Suizidgedanken allerdings Resultate von psychischen Krankheiten sind, bei denen eine Chance auf erfolgreiche Therapie besteht, sollte man die Menschen aber besser vor sich selbst schützen.

Und auch bei „Sterbehilfekandidaten“, die ihr Leben inhaltlich sowieso schon beendet haben und entweder gar nicht mehr bewusst am Leben teilhaben, weil sie im Koma liegen und nur noch von der Herz/Lungenmaschine am Leben erhalten werden, oder weil ihre Lebensfähigkeit so massiv eingeschränkt ist, dass sie in ihrem Leben keinen Sinn mehr sehen (z.B., wenn ein leidenschaftlicher Sportler nach einem Unfall vom Hals abwärts gelähmt ist), sollte die Möglichkeit einer „aktiven“ Sterbehilfe bestehen, denn wer wenn nicht wir selbst sollte über unser eigen Leben und Tod entscheiden?

6. Todesvorstellungen in der Welt

Die Todesvorstellungen unterscheiden sich teilweise erheblich zwischen den einzelnen Religionen. Nicht überall stellt man sich vor, dass die Seelen des Toten in den Himmel oder in die Hölle kommen, wenn die fleischliche Hülle zu sterben beginnt…

6.1 Christentum

Im Christentum wird allgemein davon ausgegangen, dass sich die Seele nach dem Tod vom Körper trennt und auf ewig in den Himmel kommt, der oft als surreale Welt dargestellt wird, in der die Seele in Harmonie, Eintracht und Glück auf immer verweilt. Wenn man allerdings nicht „artig“ war, kann es jedoch passieren, dass man vor dem „höchsten Gericht“ scheitert und in die Hölle geschickt wird, eine ebenso surreale Welt, in der die Seele auch auf ewig Qualen ertragen muss… Streng gläubige Christen versuchen daher, in ihrem Leben nicht zu sündigen – und wenn sie es doch tun, gehen sie zur Beichte, um Gnade zu erbitten.

6.2 Judentum

Im Judentum gibt es eine dem Christentum ähnliche Vorstellung vom Himmel. Die Seelen leben ebenso weiter und kommen auf „die andere Seite“. Juden sehen ihr Leben im Diesseits nur als Teil des ganzen Lebens, den Teil, in dem sie Qualen ertragen und Unannehmlichkeiten hinnehmen müssen, wohingegen der andere Lebensabschnitt im Jenseits die Erlösung darstellt. Nach dem Tod eines Menschen gibt es für die Angehörigen teilweise sehr strenge Regeln, wie lange und in welcher Form sie trauern müssen. Zum Beispiel dürfen die Eltern des Verstorbenen in der ersten, einwöchigen Trauerphase nicht auf Stühlen, sondern nur auf dem Boden sitzen.

6.3 Islam

Auch im Islam gibt es die Vorstellung eines Jenseits. In diesem Jenseits erwarten den Toten 72 Jungfrauen.

6.4 Hinduismus/Buddhismus

Die Todesvorstellung im Hinduismus bzw. Buddhismus unterscheidet sich grundlegend von den drei oben genannten Religionen. In diesen Religionen herrscht der Glaube, dass die Seele in einem anderen Körper wiedergeboren wird.

Literaturverzeichnis/Quellenangabe

Eigenes Wissen
http://de.wikipedia.org/wiki/Altersbild
http://de.wikipedia.org/wiki/Alterung
http://de.wikipedia.org/wiki/Biogerontologie
http://de.wikipedia.org/wiki/CarlGustavJung
http://de.wikipedia.org/wiki/ChoreaHuntington
http://de.wikipedia.org/wiki/Gerontologie
http://de.wikipedia.org/wiki/Gerontopsychiatrie
http://de.wikipedia.org/wiki/Palliativmedizin
http://de.wikipedia.org/wiki/Patientenverf%C3%BCgung
http://de.wikipedia.org/wiki/Sterbehilfe
http://de.wikipedia.org/wiki/Suizid
http://de.wikipedia.org/wiki/Suizidrate
nachL%C3%A4ndern
http://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%B6tung
aufVerlangen
http://de.wikipedia.org/wiki/Tod
http://de.wikipedia.org/wiki/Todesursache
http://de.wikipedia.org/wiki/Trauer
http://de.wikipedia.org/wiki/Verena
Kast
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