Arbeitsplatzvernichtung ist nicht schlecht

Das hier wird kein ausladender Artikel, aber ich möchte mal eben festhalten, dass es mich unfassbar ankotzt, wenn Menschen ihre Innovationsfeindlichkeit mit einem schrumpfenden Arbeitsmarkt zu begründen versuchen. Solche Leute haben nichts, aber auch gar nichts verstanden.

Hier ein paar lose zusammengetragene Feststellungen:

  • Innovation lässt sich auch dann nicht aufhalten, wenn sie Arbeitsplätze zerstört
  • Automatisierung ist eigentlich immer gut – es sei denn, sie geht von großen, unkontrollierbaren Konzernen aus oder baut auf billige Inkompetenz
  • technischer Fortschritt wird dafür sorgen, dass mehr Arbeit von weniger Menschen erledigt werden kann
  • menschliche Arbeit wird immer unwichtiger werden
  • durch bessere Bildung der Bevölkerung wird der Arbeitsmarkt nicht langsamer schrumpfen
  • dass es bald keine Kassierer oder LKW-Fahrer mehr geben wird, ist eine positive Entwicklung
  • arbeitslose Kassierer und LKW-Fahrer werden trotzdem ihr Leben finanzieren müssen
  • wir müssen uns darauf einstellen, dass es bald keine Verbindung mehr zwischen Arbeit und Lebensfinanzierung geben wird
  • Menschen ohne Erwerbsarbeit werden sich über kurz oder lang andere Betätigungsformen suchen (dies ist eine positive Entwicklung)
  • die Menschheit muss endlich damit aufhören, Menschen nach ihrem Beitrag zur Gesellschaft zu bewerten. Menschen bewerten ist eh eine schlechte Idee…
  • wenn Deutschland irgendwann bei einer Arbeitslosenquote von 70% ist, wird auch die Stigmatisierung von Arbeitslosigkeit lächerlich werden (dies ist eine positive Entwicklung)

Was kann man daraus für heutige gesellschaftliche Fragen ableiten?

Zum Beispiel, dass der Mindestlohn eine gute Idee ist.

Klar, man kann immer sagen, dass er Arbeitsplätze kostet, weil ein schäbiger Friseursalon nicht in der Lage ist, all seinen Beschäftigen den Mindestlohn zu zahlen. Die eigentliche Frage sollte doch sein, ob die drittstärkste Wirtschaftsmacht der Welt will, dass Menschen eine Arbeit verrichten, von der sie ihr Leben nicht finanzieren können? Sollte das nicht eigentlich der Sinn von Arbeit sein? Wenn besagte Friseure wegen ihres geringen Einkommens eine Transferleistung vom Staat benötigen – ist das dann ein Job, für den es sich zu arbeiten lohnt?

Besagter Friseursalon entlässt nun einen Teil seiner Beschäftigten, um den anderen den Mindestlohn zahlen zu können. Es gibt in diesem Friseursalon nun weniger Friseure, die weniger Kunden bedienen können. Unter Umständen nimmt der Salon nun weniger Geld ein und kommt wieder in die Situation, Mitarbeiter entlassen zu müssen, um den anderen den Mindestlohn zahlen zu können.

Statt nun aber zu sagen, dass der Mindestlohn eine schlechte Sache ist, könnte man auch sagen, dass sich die Friseurbranche mit Discount-Angeboten kannibalisiert. 10€-Friseur? Das ist das Problem. Die Leute sollten bereit sein, für einen guten Haarschnitt 30€ zu bezahlen. Sag ich jetzt einfach mal so.

Oh, HartzIV-Empfänger können keine 30€ für einen Haarschnitt bezahlen? Böser Mindestlohn! Oder? Vielleicht ist einfach etwas am System HartzIV kaputt.

Okay, jetzt würde der Teil mit dem bedingungslosen Grundeinkommen anfangen, aber das führt dann auch zu nichts. Deutschland ist noch nicht bereit dafür. Politische Entscheider kommen zu sehr aus einem homogenen sozialen Milieu.

So. Genug linkslinker Antikapitalismus für heute. :D