Attentionwhores auf Twitter

Nanu, so viele Anglizismen in nur einer Überschrift. Ja. Muss heute mal so sein. Und zwar, weil ich ein Phänomen von Twitter auffassen will:

Twitter – kennt man ja – ist ein recht beliebtes Mikroblogging-Netzwerk. Für viele ist es mittlerweile aber mehr: eine Möglichkeit, einfach alles rauszulassen, was einem so im Kopf herumschwirrt. Wenn man also Assis in der U-Bahn sieht, wird ein Tweet dazu geschrieben. Das ist eine weit bessere Alternative zur Äußerung ebenjener Gedanken im Real Life und anschließendem blauen Auge.

Viele Twitterer vergessen dabei die öffentliche Sichtbarkeit oder spielen sie herunter. Auch ich mache das manchmal. Wenn es hart auf har kommt, rutschen Hardcore-Twitterer in Probleme mit anderen Hardcore-Twitterern. Wie im Real Life. Was im Real Life, nicht aber bei Twitter möglich ist, ist das anschließende Aus-dem-Weg-Gehen. Also deaktiviert man sich über kurz oder lang.

Die Account-Deaktivierung ist von Twitter eigentlich dazu gedacht, den Nutzern noch eine letzte Möglichkeit zu lassen, ihre Daten und ihren Twitter-Sozialstatus wiederherzustellen, sollten sie sich vielleicht im Affekt dazu entscheiden, ihren Account zu löschen. Vielleicht will man die Tweets und dazugehörige Bilder noch sichern oder man überlegt es sich eventuell wirklich noch einmal anders.

Wozu das Deaktivieren aber nicht gedacht ist, ist dieses virtuelle Nachtrauern. Dieses folgt oft auf eine Accountdeaktivierung. Als hätte man im RL einen Freund verloren, als wäre ein Verwandter von einem Zug überrollt worden.

Natürlich gibt es genug Leute, die niemals an ihrem Twitter-Ich zweifeln, die ihren Account deaktivieren, um ihn nicht mal einen Tag später zu reaktivieren und um dann liebe Kondolenz-Tweets angezeigt zu bekommen. Das sind dann die sogenannten Attentionwhores. Ich bezichtige nicht jeden, der seine Account-Deaktivierung noch einmal überdenkt, eine Attentionwhore zu sein, aber bei der Häufung in letzter Zeit kann man doch von einer gewissen Anzahl ausgehen.

Mein Gott. Twitter ist Selbstdarstellung. Mehr nicht. Twitter ist unwichtig. Twitter hat keinerlei Relevanz. Twitter ist ein Ventil für Gedanken, die nicht in die aktuelle RL-Situation passen. Aber was man letztendlich auf Twitter postet, sollte man immer noch ein zweites Mal prüfen, bevor man auf „Senden“ klickt. Es könnte morgen in der Bild stehen.

(Und bevor gewisse Menschen von der Springer-Akademie wieder böse Tweets schreiben: ja, ich habe etwas gegen die Bild. Und ja, ich stehe zu dieser Meinung. Und ja, das dürfte morgen in der Bild stehen.)