„Das Glas ist halbvoll“

Kennt ihr diese Situation, in der ihr mit einem x‑beliebigen Menschen über Gott und die Welt redet, irgendwann auf Optimismus und Pessimusmus kommt und schließlich vom Gesprächspartner die obligatorische Glas-Metapher in das eh schon nur mäßig interessante Gespräch geworfen wird?

In solchen Situationen sage ich immer, dass das Glas für mich generell halbleer ist. Ich bin zwar auch schon seitdem ich denken kann eher pessimistisch veranlagt, aber meine Antwort auf die Glas-Frage erkläre ich gern anders:

Man kann anhand der Frage, ob ein Wasserglas nun halbvoll oder -leer ist nicht bestimmen, ob ein Mensch pessi- oder optimistisch ist. Das sollte jedem denkenden Wesen klar sein. Noch dazu geht es bei der Antwort viel mehr um die Zustandsänderungen, durch die sich das Glas bewegt:

Ein Wasserglas ist ein Trinkgefäß, welches zu Angfang gefüllt und später kontinuierlich entleert wird. Natürlich gibt es auch diese komischen Menschen, die ein Glas aus Höflichkeit nur bis zur Hälfte füllen, aber der Otto-Normalwasserglasbefüller füllt es bis zu einer Höhe, bei der das Glas fast ganz gefüllt ist und nur so wenig bis zur 100%igen Füllung fehlt, dass er das Glas ohne Sorge etwas zu verschütten heben und daraus trinken kann. Also ca. 90-95% Füllung, was weit mehr als die Hälfte ist.

Im Normalfall ist demnach die Zeitspanne, in der das Glas während einer positiven Veränderung des Füllstands nur zur Hälfte gefüllt ist, sehr kurz.

Da man aber ein Glas beim Trinken durchaus ein paar Mal absetzt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nur zu 50% gefüllt – oder halb entleert – ist, während einer negativen Füllstandsänderung weit größer.

Es ist also viel sinnvoller, vom halbleeren Glas zu sprechen, selbst wenn man ansonsten lebensbejahend ist. Es kommt einfach viel häufiger vor. :)

(Schön, das ein für allemal geklärt zu haben…^^)