Die Rückständigkeit des Fernsehens

Heute Abend läuft mal wieder die größte, pan-europäische Fernsehsendung überhaupt: der Eurovision Song Contest oder auch „Grand-Prix Eurovision de la Chanson européenne“ für die altgesottenen. Veranstaltet wird er dieses Jahr in Malmö, eigener Aussage nach Schwedens „Brücke nach Europa“. Auffälligste Neuerung ist die alleinstehende Moderatorin, deren Namen ich jetzt vergessen habe, die auf mich aber unglaublich unsympathisch wirkt.

Zum Ende des zweiten Halbfinales hin schrieb ich einen Tweet zum Thema HD-Fernsehen bei der EBU, die als „European Broadcasting Union“ dieses und andere internationale Theater veranstaltet und den öffentlich rechtlichen Sendern Europas regelmäßig fragwürdige Vorgaben macht.

Schnell meldete sich auch Julian Wagner zu Wort, mit dem ich noch ein bisschen hin und her schrieb. Wir redeten über die beschränkte Bandbreite auf Satelliten und über einige andere Scheiße. Aber nun zum Thema:

Fernsehen wird heute zum größten Teil digital verbreitet. Entweder über Satellit, Kabel, Antenne oder IPTV. Der zugehörige Standard heißt DVB (für „Digital Video Broadcast“) und bekommt je nach Übertragungsweg noch ein Suffix angehängt. So bilden sich die bekannten Namen DVB-S(2), DVB-C, DVB-T(2) und DVB-IPI.

Der HDTV-Teil von DVB sieht entweder MPEG2, was wir alle von der guten alten DVD kennen, oder h.264 als Codec vor. In der Praxis werden heute alle HD-Sender in h.264 ausgeliefert – dem Format also, welches auch bei YouTube, der ZDF-Mediathek oder im iTunes-Store zum Einsatz kommt.

Genauso wie es bei digitalem Audio zwei entscheidende Größen gibt (die Abtastrate für die zeitliche Auflösung und die Bittiefe für die Auflösung der Amplitude), gibt es ähnliche Größen bei Videosignalen. Für die zeitliche Auflösung sorgt die Bildrate, die in frames per second/fps angegeben wird. Die zweite Größe ist die Auflösung, also die Bildgröße in einem zweidimensionalen Raum. Breite x Höhe also.

Außerdem gibt es noch etwas, das sich ein findiger Mensch einfallen ließ, um die Doppelte Bildrate bei gleicher Datenmenge zu erreichen: das Zeilensprungverfahren.

Meine Frage ist eigentlich: geht’s noch?! YouTube liefert Videos heute in sechs verschiedenen Auflösungen aus, je nach Auflösung des Quellmaterials. Welcher Vollpfosten hat bei der Entwicklung der zweiten DVB-Generation (also DVB-S2/T2) vergessen, dass es IMMER DIE BESTE IDEE IST, INHALTE SO UNVERFÄLSCHT ZUM EMPFÄNGER ZU BRINGEN, WIE IRGEND MÖGLICH?

Warum muss das ZDF, wenn es einen Kinofilm ausstrahlen will, den 1080p24-Stream zunächst mit PAL-Speedup auf 25 Bilder/Sekunde bringen, und diese Bilder dann noch einmal duplizieren und dann auf 720p runterrechnen, weil auf dem Transponder nicht genug Bandbreite für 1080p50 zur Verfügung steht? Wieso kann die Sendeeinheit nicht einfach ein Signal „Halli, hallo, jetzt kommt ein Kinofilm, den sende ich in 1080p24, so wie er vorliegt, altah!“ senden, das die Empfänger verstehen? Diese könnten dann das Signal unverändert über HDMI weitergeben und der Fernseher könnte es in einem einzigen Schritt optimal für sein Display-Panel umrechnen. So sollte es sein. Warum wurde das vergessen? 50 Vollbilder braucht man nur für Sportübertragungen – und so lange es keinen einheitlichen Standard für 1080p50 gibt, kann man diese ja auch weiter runterscalen – aber warum muss man den ganzen anderen Content, der so gut wie nie in 50 Vollbildern produziert wird, auch so verhunzen? Aaaaaah!