Fernsehen in der Nacht

Nachdem mein Date am Donnerstag leider geplatzt war, verbrachte ich den restlichen Tag damit, „Mein Leben und ich“ – eine tolle Serie von RTL – zu gucken. Als der diensthabende Betreuer den Stecker zog, und ich nicht weiter gucken konnte, hörte ich lange Musik und fädelte wirklich neue Schnürsenkel in meine Schuhe ein. Mir war also wirklich langweilig. So langweilig, dass ich irgendwann den Fernseher einschaltete. Um ca. 3h konnte ich natürlich nicht allzu viel erwarten:

Auf ProSieben bettelten zwei einsame Menschen um Aufmerksamkeit und Anrufer. Ich zappte weiter durch die Programme. Im Ersten lief ein drittklassiger Film, der mit komischen Balken an der Seite (sozusagen 4:3 in 16:9 gequetscht, mit Balken) gesendet wurde. Zwei Männer dankten Gott für das erscheinen eine schönen und leichtbekleideten Frau, die mich allerdings so wenig interessierte, dass ich weiter zum ZDF schaltete. In der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ saßen gerade die ZDF-Nachrichtensprecher Klaus Kleber, Petra Gerster und Kim aus den Logo-Kindernachrichten. Anstatt über wichtige Themen in der Welt, sprachen sie lieber über ihre eigenen ZDF-Nachrichten. Super. So erzählte Claus seine „Maueröffnungs-Karibikgeschichte“ zum gefühlten 100. Mal (ich hatte sie bereits bei Facebook schon einmal gehört…) und man lachte grundlos darüber, dass der kleine Kim zum Zeitpunkt von Kennedys Tod noch gar nicht geboren war. Hi, hi, hi, hi!!!

Zwischendurch wurde immer wieder völlig sinnlos ins Publikum gezoomt. Wahrscheinlich ein komisches Stilmittel, den Fokus von dem teuer aussehenden Tisch von Markus Lanz wegzubewegen. Doch als ich in völlig gelangweilte Gesichter von Jugendlichen blickte, fragte ich mich, warum man diese jungen Menschen, die offensichtlich nicht an dem Inhalt der Sendung interessiert waren, in dieser Sendung zeigte… Entweder, sie waren von ihren Eltern dazu gezwungen worden, hatten eine übertriebene Geltungssucht, oder wurden vom ZDF dafür bezahlt, dachte ich mir… Aber warum zoomte man diese Menschen, die jetzt eigentlich viel lieber ihre PSP herausgeholt hätten, weil es sie nicht interessierte, dass Claus Kleber seine Butterbrote immer aufaß, jetzt auch noch in die Großaufnahme?!

Das nächste Thema interessierte mich schon mehr: James Bain, dir 35 Jahre zu Unrecht im Gefängnis gesessen hatte, war zu Gast in der Sendung und sollte seine Geschichte erzählen. Markus Lanz stellte Fragen und der vermeintliche Vergewaltiger antwortete – und seine Antworten wurden erstaunlich gut übersetzt. Na gut – es war ja auch keine Live-Sendung, oder noch besser: Wetten, dass? – die Sendung mit dem wohl schlechtesten Simultanübersetzer in Deutschland.

Als auch dieses Thema endlich vom Tisch war, war die Sendung auch schon wieder vorbei. Im Outtro bemerkte ich die ziemlich unpassende Titelmelodie, die viel zu harmonisch klang, für eine Sendung, die sich immer mit ernsten Themen beschäftigte. Es folgte „heute nacht“ (ja, lower case ist in). Die Nachrichtensprecherin mit dem schönen Nachnamen „Nisselmüller“, hatte sich als Vanish-OxiAction-Frau verkleidet, und sprach schnell und aufgeregt. Vielleicht hatte sie gerade ihr erstes Mal (also im neuen Nachrichtenstudio) und vielleicht bildete ich mir diese Unsicherheit auch nur ein, die sehr nah an die Original-Vanish-Werbung heranreichte.

Als krönender Abschluss folge Maybrit Illner, die mit verschiedenen Gästen über das Gesundheitsdebakel in Deutschland debattierte. Unter ihnen war auch niemand geringeres als Karl Lauterbach, der Godfather of Teppichhändler, dessen reine Anwesenheit irgendwie schon nervte und auch einiges Fremdschämen bei mir auslöste… Nachdem die liebe Maybrit ein tolles Youtube Video gezeigt hatte, um bei dem nicht vorhandenen “jugendlichen Publikum” anzukommen, und eine Frau mit Augenfehlfehlstellung zum Ausdruck gebracht hatte, wie unnötig MRTs sind, schaltete ich genervt ab.

Also nicht nur Privatsender nerven in der Nacht… Naja – mit dem Zweiten sieht man besser.