Gedanken zur WWDC

Falls ihr jetzt damit fertig seid, euch das Sperma vom Bauch zu wischen: hier ein paar Gedanken zur Eröffnungs-Keynote der diesjährigen WWDC von Apple.

Es wurde kein neues iPhone vorgestellt, was auf der einen Seite schade ist, weil ich so noch ein bisschen warten muss, bis das iPhone 5s günstiger wird, auf der anderen Seite aber auch offensichtlich, richtet sich die WWDC nicht an Endkunden. Also hört auf zu jammern.

Apple hat mal wieder einige Gründe aufgezeigt, warum man als Casual User eher zum iPhone als zum Android-Device greifen sollte. Gerade die Dinge rund um „Continuity“ hätte ich gern zuerst bei Android gesehen – dass ich sie eben nicht dort sehe, ist wiederum keine große Überraschung. Mit all den SDKs überwinden iOS-Apps endlich ihre Isolierung und können nützlich aus anderen Anwendungen heraus benutzt werden (bisher ein großer Pluspunkt für Android).

Das flache Design von Mac OS 10.10 (oder 11.0?) finde ich entgegen meiner eigenen Erwartungen nicht so schlimm wie ich das flache Design von iOS noch immer finde, man erkennt hier mehr den Ansatz der „Evolution“. Bei iOS vor etwa einem Jahr wirkte es auf mich viel mehr wie eine „Revolution um jeden Preis“.

Natürlich kotzt mich die Geschlossenheit von Apples Systemen noch immer an, gerade weil man als Linux-Nutzer auch immer wieder über quelloffene Apple-Entwickungen wie den mDNS-Responder stolpert, die an Zeiten erinnern, in denen Apple sich noch um Open Source scherte. Was bringt mir die HomeKit API, wenn ich in ein paar Jahren vielleicht zu Windows Phone (als ob) wechseln will und dann alle Thermostate austauschen muss. Apple sollte sich endlich von dem Irrglauben entfernen, alle Menschen würden sich alles von Apple kaufen. Apples Pro Software ist beispielsweise nach wie vor scheiße, die meisten Netzwerkmenschen die ich kenne lachen über Apples WiFi-Router und auch hochpreisiger Zubehör wie das Apple Thunderbolt Display wird von Grafikern und Fotografen, die Wert auf absolute Farbechtheit legen, verschmäht. Apple kann nach wie vor für unvergleichliche User-Experience sorgen und hat erfolgreich vier Industrien umgekrempelt. Doch alles kann es nicht und kleine, auf ihr Fachgebiet spezialisierte Unternehmen sind mir weit sympathischer als ein übermächtiges Apple, das versuch in allem gut zu sein und daran scheitert.