Hausautomatisierung

Eine meiner größten Visionen ist es, Häuser intelligent zu machen. Ich frage mich nämlich ständig, warum man Technik, die schon längst verfügbar ist, nicht auch da nutzt, wo sie wirkliche Effizienz hervorbringen könnte.

Im Grunde ist meine Vorstellung ganz simpel. Lange Zeit war der sogenannte Homeserver eine Zukunftsvision für viele Menschen. Microsoft verkaufte sogar fertige „Home-Server“-Betriebsysteme, Computerhersteller boten fertige Homeserver mit ebenjenen Betriebsystemen an. Was diese Teile machten? Ganz einfach, sie beschränkten sich hauptsächlich auf das Verteilen von Daten im Netzwerk. Nur, was teilt man denn zuhause schon im Netzwerk? Hmm…

Diese Geräte sind mittlerweile wieder vom Markt verschwunden. Die Industrie hat gemerkt, dass Heimanwender nicht allzu viele Daten haben, die sie mit anderen Netzwerkbenutzern im eigenen Haus teilen wollen. Alle Medien kommen in der Zukunft aus der Cloud. Wozu also der Server. Was soll darauf gespeichert sein? Backups? Im Familienhaushalt? Wäre es allein für Backups nicht sinnvoller, der Vater kaufte sich eine USB-Festplatte und machte darauf sein Backup? Denn…ob – und wenn ja – wie häufig die 16-jährige Tochter ihren zunehmend Backup-unabhängige Webanwendungen ausführenden PC sichert, bleibt dahingestellt. Vom Sinn des Ganzen ganz zu schweigen. Und wenn Daten teilt – warum dann über einen zentralen Punkt? Apples AirDrop, welches ein peer-to-peer-sharing übers Netzwerk oder wahlweise auch per WiFi-Direct ermöglicht, lässt den zentralen Punkt aus und trifft die Bedürfnisse schon eher.

Meiner Meinung nach verlassen wir uns heutzutage aber viel zu sehr auf Cloud-Dienste. Ja, auch ich habe eine Dropbox. Sie ist praktisch, hinter ihr steht ein sympathisches, attraktives Unternehmen, welches mir durch lustige kleine Spiele ermöglicht, meinen Speicherplatz zu erweitern. Aber auch dieses lustige Unternehmen muss sich an Gesetze halten und Regierungen Daten aushändigen, wenn ein Gerichtsbeschluss vorliegt. Das macht mir in sofern Angst, als dass ich meine Dropbox niemals mit sensiblen Daten füttern würde. Wenn ich also sensible Daten nicht nur zuhause haben möchte, sondern auch auf jedem Gerät und auch außerhalb des heimischen Netzwerks, brauche ich also einen always-on Computer, der am besten auch irgendwie vom Internet aus zu erreichen ist. Einen Server. Womit wir wieder beim Homeserver wären.

Für mich als hoffnungslosen Nerd sieht das traute Heim der Zukunft sehr vernetzt aus. Mit steigenden W-LAN-Datenraten wird diese (oder irgendeine Nachfolgetechnik) sicher immer störanfälliger werden. Es werden in meinem hypothetischen Zukunftshaus also Netzwerkkabel liegen. Am besten Gigabit-LAN. Damit man auch Full-HD-Inhalte problemlos streamen kann. Wobei. Full-HD ist mittlerweile ja schon wieder alt. 4K. Nagut, dann eben 10GBit-Ethernet. Über Glasfaser. Man, das wird teuer.

Glasfaser also bis in jedes Zimmer, dort ein WiFi-Access-Point, mit Handover. Wir hätten also schonmal die Netzanbindung. Standortfeste Geräte werden selbstverständlich per Kabel angebunden.

Ich hätte sicher einen Home-Server. Mit großer Festplatte, damit all meine Lebenserinnerungen zwar zentral abrufbar sind, aber nicht irgendwo ungreifbar „im Internet“ herumschwirren. Das ganze dann noch zweimal gespiegelt, denn wenn ich schon im Jahr 2013 rund 30.000 Bilder angesammelt habe, dann werden es in Zukunft nicht weniger werden. Und wir wissen, wie wichtig ideelle Werte uns sind.

Um „alte“ Medien einspeisen zu können, hätte ich am liebsten eine Art „Ingest-Station“, wie es sie auch schon im ProSiebenSat1-Playout-Zentrum gibt. Dort könnte man Steinzeit-Medien wie CDs, DVDs, BluRays und vielleicht sogar VHS einspeisen, um sie für die Ewigkeit zu sichern. Mit einem netten User-Interface, an dem man Metadaten eingeben, suchen und korrigieren kann. Dazu kommen dann am Besten noch Speicherkartenleser, Drucker und Scanner, um auch die Baum-Fraktion bedienen zu können.

Um Steinzeit-Live-Medien wie Telefon und Fernsehen ins Digitale Netz zu bekommen, bräuchte es natürlich ein weiteres System. Einen Computer mit zwei Quad-Tunern vielleicht, damit es nie eng wird, beim simultanen Fernsehen aller Familienmitglieder. Außerdem wäre eine Phone-Card (oder wie auch immer man so etwas nennen sollte) ganz praktisch, falls das Voice over IP mal ausfällt.

Weiter im Text: Wenn man all die schönen Medien zentral und mit schneller Anbindung verfügbar hat will man damit natürlich eines machen. Genau: KONSUM!
Für ebendiesen Zweck hat schon heute jedes Haus einen  bestimmten Ort: das Wohnzimmer. Im Wohnzimmer würde ein PC stehen, der für das Playout auf den LCD-Screen verantwortlich ist. Sowas sollte man dediziert machen. Anders als man es heute noch brauchen würde, müsste der LCD-Screen wirklich nur noch eines machen. Angehen und das Signal anzeigen. Roh. Kein IR-Empfänger, keine Bildverbesserungen. Das macht ja alles der PC und wenn der Fernseher es dann noch einmal machen würde, käme am Ende Scheiße raus. Man bräuchte auch einen ähnlich rohen 5.1-Verstärker. Die Lautstärkeregelung soll schließlich auch online funktionieren. Der PC könnte dann den Fernseher per HDMI-CEC steuern. Das geht sogar schon heute. Yay!

Eine solche Konsum-Einheit könnte es dann in kleiner noch einmal in der großen Wohnküche geben. Man will ja auch American-Style-mäßig (was für ein Wort) beim Essen konsumieren. Außerdem eine Konsum-Einheit für die besagte 16-jährige Tochter, damit sie fröhlich der sozialen Dissoziation entgegenfiebern kann. Und wenn der Sohn 16 wird, bekommt er auch eine. Super.

Eine andere Sache, die ich ganz cool fänd, wäre eine Organisationseinheit im Flur. Wenn man morgens oder nachmittags das Haus verlässt, könnte man gleich sehen, was noch erledigt werden muss. Ein minimalistischer PC mit Beamer vielleicht. Und einer Touch-Oberfläche? Genial!

Weg von stationären Systemen wären dann erstmal Notebooks. Notebooks sind cool und ich denke sie werden sich noch eine Weile halten. Eine physische Tastatur ist einfach unschlagbar und auch wenn Spracherkennungstechnik immer besser wird – wer will schon die ganze Zeit mit seinem Computer reden. Es gäbe also stinknormale Notebooks und vielleicht sogar Desktop-PCs. Wobei, nein, die sind hässlich. Aber Notebooks gäbe es. Mit Leistung. Denn selbst die 10GBit-Leitung kann nicht mit der RAM-Anbindung mithalten. Und dann macht AfterEffects keinen Spaß mehr.

Außerdem iPhones. Ja, ich bin Apple-Nerd. Die Notebook wären ja auch MacBooks und würden mit Mac OS X laufen. Server laufen mit Linux, Workstations mit Mac OS X. Beides Unix, letzteres hübsch. Und im mobilen Sektor dann iPhones. Auch Unix-Basiert. Darauf könnten dann diverse Remote-Apps laufen, die mehr als die Wiedergabe am Konsum-System steuern.

Beschallung? Beschallung! Außerhalb von Konsumbereichen wie dem Wohnzimmer, der Wohnküche oder Kinderzimmern will man natürlich auch Musik hören. Im Garten etwa. Man könnte Netzwerklautsprecher à la Sonos laufen lassen, die Musik abspielen können. Gesteuert über die iPhones oder auch die Workstations.

Aber es endet dort noch lange nicht. Wenn man von Hausvernetzung spricht, sollte man das Haus selbst nicht außer Acht lassen. Wirkich intelligent wird es nämlich erst, wenn das Haus seine Bewohner soweit wahrnimmt, dass Intelligenz erst möglich ist. Und diese Intelligenz muss das Haus ja auch in anderer Weise äußern können, als Musik abzuspielen oder das Telefon klingeln zu lassen…

SENSOREN! Ja, überall. Es geht ja nicht darum, dass Daten aufgezeichnet werden (zumindest nicht lange), sondern eher darum, dass intelligente Algorhythmen auch Input brauchen. Öffnungssensoren an jeder Tür und jedem Fenster, Bewegungsmelder im Flur und vor der Haustür, Kameras, die den Außenbereich erfassen, Temperatur-, Licht- und Rauchsensoren in jedem Raum.
Zudem könnte man die Snedeleistung der WiFi-Accesspoints in jedem Raum soweit senken, dass sie nur noch den jeweiligen Raum bestrahlen (=weniger Smog). iPhones und Workstartion-MacBooks würden sich also mit Handover immer zu dem Accesspoint verbinden, in dessen Raum sie sich befinden. Man könnte auf diese Weise die Anwesenheit verschiedener Personen in den verschiedenen Räumen erkennen und müsste nicht auf gruselige Gesichtserkennung zurückgreifen.

Damit all diese Schlussfolgerungen auch in Taten umgesetzt werden können, müsste das System an verschiedenste Regler angeschlossen sein. Es müsste Markisen steuern, jedes Licht separat dimmen, Heizkörper regeln und Jalousien herunterfahren können. Erst dann würde der Spaß und auch das Stomsparen beginnen.

Wenn die hypothetische Zukunftsfamilie (nein, wir reden nicht mehr von mir^^) von einem Ausflug heim käme, würde der Server merken: Ah, das Auto hat sich mit mir verbunden (das Auto hat einen Wireless-Zugang, um Inhalte vom Server auf das Infotainment-System zu laden), iPhone von Vater, von Mutter, von Kind 1 und von Kind 2 haben sich eingebucht. Wahrscheinlichkeit, dass sie alle gleich ins Haus wollen: hoch. Ein Gesichtserkennungsystem könnte dann noch über die Kameras im Außenbereich prüfen, ob es wirklich die Familie ist. Tür auf.
Familie ist müde, da niedrigerer Geräuschpegel als sonst um diese Tageszeit. Infoscreen im Flur zeigt: „Willkommen Zuhause. Es warten zwei neue Episoden Breaking Bad auf [Kind1], eine neue Folge Modern Family auf [Mutter] und im Fernsehen läuft heute ein Fußballspiel, vielleicht hat [Vater] Lust? Ach ja: ERINNERUNG: [Kind2] hat morgen einen Englisch-Test in der Schule. Üben wäre angesagt, die Note lässt sich steigern, sagt der Schulserver.“

Die Mutter würde sich dann mit ihrem iPhone in der Tasche aufs Sofa begeben, das Haus würde das erkennen, den LCD-Screen einschalten mit der Frage „Modern Family Staffel 3 Episode 5 jetzt gucken?“. Die Mutter würde dann einfach nur „ja“ antworten und die Wiedergabe würde beginnen.
Derweil würde das Kind sich in der Küche etwas zu Essen vorbereiten. Es bekäme die gleiche Frage im dortigen Infotainment gestellt und die neueste Breaking Bad-Episode würde beginnen. Mit der zubereiteten Fünf-Minuten-Terrine begäbe es sich dann in sein Jugendzimmer, das Haus wüsste „Ah, [Kind1] geht aus der Küche. Mal die Wiedergabe anhalten. Und ah, es geht ins [Kinderzimmer1]. Dann setze ich die Wiedergabe dort fort und stelle das Licht aufs ‚Fernseh‘-Preset. Außerdem ist gerade die Sonne untergegangen, ich kann also die Jalousien um Westen wieder hochfahren, die Sonne knallt jetzt ja nicht mehr.“

Man könnte, um für einfache Befehle von der frickeligen iPhone-Steuerung wegzukommen, einen Würfel mit Lagesensor nutzen. Hört sich spackig an, ist es auch, aber ich habe es vor Jahren mal in einem Pilot-Haus der Telekom gesehen und fand es cool. Außerdem ist es ja meine Vision. Also. Kind2 geht derweil in sein Zimmer um zu üben. Es hat vielleicht Kopfschmerzen und will deswegen gedimmtes Licht, dreht also den Raumzugehörigen Licht-Würfel auf die „gedimmt/mehr rotton“-Seite. Ah, angenehm. Dazu noch schnell am iPhone schummrige Musik ausgewählt. Schön.

Wenn alle Familienmitglieder in ihre Individualräume gegangen sind ([Vater] und [Mutter] also ins Schlafzimmer, [Kind n] in Schlafzimmer n), wenn alle iPhones zum Laden in den Docks stehen, kann das Haus davon ausgehen, dass die Familie schläft. Es schaltet also alle Lichter in Nicht-Individualzimmern aus, dreht die Heizkörper ab, stellt die Alarmanlage scharf (also letztenendes sich selbst) und wartet, bis alle Familienmitglieder nach Erfahrungswert im Teifschlaf sind, startet dann alle Workstations und Infotainment-Systeme und spielt Updates ein. Und am Morgen (und das ist die Mutter aller Hausautomation), schaltet das haus die Kaffemaschine ein, damit man mit leckerem Kaffeegeruch aufwacht. Herrlich.

Bis auf Haushaltsgeräte, die sich per Netzwerk ansprechen lassen und rohe LCD-Screens und Verstärker ist die Technik für die eben beschriebene Vision schon da. Ich würde gern mal ein Projekthaus sehen, in dem dieser Kram realisiert wurde.

So. Es ist nun 4:37h, ich konnte nicht schlafen und bin scheißmüde. Also verzeiht mir die Tempus-Fehler. Danke. <3