How to: Europäische iPhones aufdrehen

Da sitzt man gemütlich in einer S-/U-/Straßen- oder sonstigen Bahn und auf einmal steigt eine Kindergartengruppe samt biologisch abbaubarer Erzieherinnen ein. Diese Erzieherinnen sind nicht nur zu schlecht angezogen und bezahlt, sondern auch generell unfähig, ihre Truppe an die Lautstärke des jeweiligen Verkehrsmittels anzupassen. Die Jungs ziehen den Mädchen an den Haaren, die daraufhin beginnen zu weinen. Kinder in dem Alter sind schrecklich. Aber vor allem schrecklich laut.

Wenn ihr in solchen Situationen mit dem iPhone unterwegs seid, werdet ihr mitunter festgestellt haben, dass iPhones generell nicht allzu laute Signale ausgeben. Die Untertourigkeit der meisten europäischen Apple-Handys geht auf eine EU-Richtlinie zurück, nach der MP3-Player maximal 100 dB über den Kopfhörerausgang ausgeben dürfen.

Gerade bei leisen YouTube-Videos oder klassischer Musik neben tobenden Kindergartengruppen kann diese Lautstärke-Bremse sehr nerven. Beim iPhone 5 hat sich Apple deswegen dazu durchgerungen, dem Nutzer eine Opt-Out-Möglichkeit zu geben:

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Wer jedoch mit einem 4s, wie ich mit einem iPhone 4 oder gar einem noch älteren Gerät unterwegs ist, muss sich mit der softwarebasierten Sound-Kastration abfinden. Oder?

Die Sperre ist unter iOS 6 in einer einzigen Datei realisiert:

/System/Library/Frameworks/MediaToolbox.framework/RegionalVolumeLimits.plist

Schaut man sich diese Datei beispielsweise mit dem in Xcode enthaltenen PLIST-Viewer einmal von innen an, wird schnell klar wie sie aufgebaut ist:

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Unter „Key“ findet ihr ein Länderkürzel und unter „Value“ die dazugehörige Volumeneinschränkung. Janz einfach. Jetzt könnte man davon ausgehen, dass der Wert „1“ für 100% stünde – tut er aber nicht. Ich habe das System dahinter nie weiter beleuchtet und fahre seit Jahren gut damit, einfach „99“ einzutragen. Keine Angst – auch wenn ich hier für nichts garantiere, habe ich bisher keine Schäden an meinen iOS-Geräten feststellen können. Eine nach meinem Stil bearbeitete Datei sähe also in etwa so aus:

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Nun ist natürlich die Frage, wie man am Besten an das Dateisystem des iPhones kommt. Die Füchse unter euch ahnen schon – per Jailbrak geht das ganze am Einfachsten. Jailbreaks zerstören die Garantie eures Geräts! Wem das aber egal ist, kann einfach „iFile“ in Cydia kaufen und mit dem darin zu findenden „Property List Viewer“ die Datei bearbeiten.

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Geekiger aber durchaus komfortabler ist der Weg über SSH. Einfach das Paket „OpenSSH“ in Cydia installieren und mit eurem bevorzugten SFTP-Client und der WiFi-IP-Adresse des iPhones auf das Dateisystem zugreifen. Benutzername „root“ und Passwort „alpine“ sind unter iOS der Standard.

Weniger geeky aber noch komfortabler geht es mit dem Paket „Netatalk“, der AFP-Portierung für UNIX. Nach der Installation erscheint das iPhone als Dateifreigabe im Finder und ihr könnt euch ebenfalls mit root/alpine verbinden.

Falls euch die Garantie eures Apple-Devices heilig ist, könnt ihr natürlich auch auf eigene Gefahr probieren, mit Programmen wie diesen das Dateisystem des iPhones per Backup zu verändern.