Ich habe eine Bombe gebaut

…oder: wie Paranoia das Denken ausschaltet.

Wie so mancher Mensch auf Twitter oder in meinem Umfeld vielleicht schon mitbekommen hat, war eines meiner letzten Bastelprojekte ein Gerät, das verschiedene Internetanbindungen aggregiert und es mir so ermöglicht, z.B. in ICEs einen halbwegs annehmbaren Internetzugang nutzen zu können (dazu wird es bald auch noch einen Blog-Post geben). Das ganze sieht so aus:

Das Paket besteht aus einem Banana Pro im Acrylgehäuse, an dem ein Huawei-LTE-Stick sowie zwei TP-Link WiFi-Dongles (RT3573 und RTL8192CU) hängen. Das Grüne an der Seite ist ein 18650-Akku von Conrad. Mangels fertiger Gehäuse-Möglichkeiten griff ich für dieses doch eher spezielle Setup auf gutes, altes Klebeband zurück.

Zugegeben, das ganze sieht schon ein bisschen aus wie eine Bombe. Aber das ist es nicht. Es erleichtert mir den Alltag ungemein, es ist also plump gesagt das genaue Gegenteil einer Bombe. Bomben sind gemeinhin eher hinderlich für alltägliches Leben.

Momentan habe ich einen Berufsschulblock, mein MiFi reist also jeden Morgen mit mir in das neue, mit Alu-Platten verkleidete Schulgebäude, in dem man mit keinem Handynetz so richtig Empfang hat. Medienschule und so. Was macht der MiFi dort? Richtig: Er verbindet sich mit dem Schul-WiFi, verbindet sich per OpenVPN mit meinem Server und bindet so alle per WiFi-AP verbundenen Clients in mein eigenes, persönliches Netzwerk ein, umgeht dabei alle Firewall-Blockaden und Überwachungs- sowie Sperrmaßnahmen, die ich im Übrigen ohnehin verwerflich finde.

Neulich war ich mal wieder genervt von der miserablen Internetanbindung der Schule (wie gesagt, Medienschule und so…), sodass ich meinen MiFi in einer Freistunde an ein offenes Fenster legte, um über 3G eine erträglichere Bandbreite zu erhalten. Irgendwann kam ein Lehrer, sah meine „Bombe“ und hielt mir unter dem Applaus einiger systemtreuer Schwachmaten-Mitschüler einen Vortrag darüber, dass ich „in solchen Zeiten“ nicht einfach irgendwelche Basteleien in ein öffentliches Gebäude bringen könne.

Ich versuchte noch zu argumentieren, dass er das Problem von der falschen Seite betrachtete. Nicht ich oder der MiFi sind hier das Problem, sondern viel eher die medial gepushte Terrorangst, die dafür sorgt, dass alles, was nicht in einem schönen Gehäuse steckt, als potentielle Gefahr angesehen wird. Welches Signal das an technisch begabte und experimentierfreudige Menschen sendet ist klar: hört auf damit, euer Hobby ist seltsam.

PS: Übrigens müssen bei irrtümlichen Alarmen i.d.R. weder der Alarmierende noch der vermeintliche Verursacher ein Bußgeld bezahlen.