Ich kotz auf 3D!

Heute war ich seit langem mal wieder zum zweiten Mal im gleichen Film. Avatar. Eigentlich finde ich es ja ziemlich schwachsinnig, denselben Film ein zweites Mal zu sehen, aber weil unser Betreuer den Film der Titanic überholte noch nicht gesehen hatte, gingen wir eben noch einmal rein.

Das Schöne daran, einen Film zweimal zu schauen ist, dass man beim zweiten Mal nicht mehr so viel Augenmerk auf die Handlung legen muss, und sich auch ganz bewusst mal mit dem Bild beschäftigen kann. Mit ein bisschen Hintergrundwissen kann man Avatar sehen, kann beobachten, wie die Kinobesucher einem digitalen Baumstamm ausweichen, der dazu noch nie real existiert hat. Und man selbst weiß, dass dieser Effekt simpel wie genial ist. Ja, genau da sollten wir anfangen: Wie funktioniert 3D und warum können manche Leute es nicht ab?

Was heißt überhaupt 3D?

Ganz einfach: 3D steht für dreidimensional. Ein großer Begriff, der allerdings ganz leicht zu erklären ist. Stellen Sie sich einen Würfel vor, der vor ihnen steht. Dieser Würfel hat, wie die Maßangaben eines IKEA-Möbelstücks, drei Dimensionen, in denen sich sein Volumen und seine Maße ausbreiten. Zum einen hat er eine bestimmte Breite, beispielsweise 50 cm. Erinnern Sie sich dunkel an den Geometrieunterricht in der Schule? Der Würfel ist ein Würfel und folglich kein Strich, also hat er auch eine bestimmte Höhe. Auch 50 cm, denn es ist ja ein Würfel. Und was fehlt noch? Jetzt haben wir schließlich erst ein Quadrat…also fehlt die dritte Dimension – die Tiefe. Wieder 50 cm.

Wenn Sie nun von diesem schicken Würfel ein Foto machen und es an ihre Freunde in Amerika schicken, um ihnen zu zeigen, was es für tolle Würfel in Europa gibt, ist dieses Foto zweidimensional. Pam, ihre Brieffreundin aus New York, öffnet den Briefumschlag, und was sie daraus hervorzieht ist flach. Das Foto bildet den Würfel ab, ist selbst aber vollkommen flach. Würden Sie den Würfel genau von vorne fotografiert haben, könnte Pam jetzt denken, Sie schickten ihr ein Quadrat. Sie fühlte sich verarscht, denn Quadrate gibt es auch in Amerika, und die sind langweilig. So würde ihre Brieffreundschaft auf tragische Weise enden. Sie sind aber nett, und haben ihren Würfel leicht von links fotografiert. Pam sieht nun dieses Bild und kann sich denken, dass der Würfel nicht platt ist, wie eine zusammengedrückte Dose, obwohl das Foto an sich flach ist.

Die dritte Dimension ist aber nicht die Tiefe eines Körpers, sondern, dass man sie wahrnehmen kann. Sie stehen immer noch vor dem tollen Würfel und Sie haben den ultimativen 3D-Blick. Ihr ganzes Leben ist 3D!

Aber was ist dann bitte 4D?

In manchen Freizeitparks wird immer wieder mit 4D-Kinos geworben. Man setzt sich in einen winzigen Kinosaal, sieht verschwommene 3D-Bilder und wird von den Sitzen durchgeschüttelt oder mit Wasser bespritzt. Super. Aber ob das jetzt wirklich die vierte Dimension ist? Keine Ahnung, ich denke ja, dass es weitergeht mit der Ortsunabhängigkeit (zu jeder Zeit an jedem Ort) und der Zeitunabhängigkeit (zu jeder Zeit in jeder Zeit^^). Aber das kann man sich nicht vorstellen, also bemühen Sie hierzu bitte Wikipedia.

Wie funktioniert 3D?

Am besten, ich erkläre erst einmal, wie 3D im sogenannten Real Life funktioniert… Okay?

Wieso haben wir zwei Augen?

Eine komische Frage, aber eine berechtigte. Denn wir könnten doch auch einfach nur ein Auge haben, wir wären alle Zyklopen und überhaupt: was haben diese zwei Augen für einen Sinn?

Stereo. Was? Musik? Nein, Stereo gibt es auch beim Sehen. Denn dass wir zwei Augen haben, ermöglicht uns erst, einen Ball zu fangen, oder den Naví beim Sex mit Bäumen zuzugucken. Denn unsere Augen sehen das Leben, das sich vor ihnen abspielt, aus zwei minimal unterschiedlichen Blickwinkeln. Und das reicht unserem Gehirn schon, um ein dreidimensionales Bild zu berechnen und die Entfernung des Balls zu schätzen. Versuchen Sie’s mal. Gehen Sie an eine stark befahrene Straße ohne Ampel und überqueren sie die Straße ganz knapp vor einem Auto.* Wenn Sie jetzt noch leben, verbinden Sie sich ein Auge und wiederholen das Ganze.* Leben Sie immer noch?

Es ist ihnen sicher aufgefallen, dass es viel schwieriger ist, die Entfernung eines Objekts, sei es ein Ball oder ein LKW, zu bestimmen, wenn der Stereoblick fehlt. Nicht? Dann gehören Sie vielleicht zu den Menschen, die nur mit einem Auge sehen, oder nur ein Auge zum „Mono-Stereosehen“ benutzen. Deren Gehirne haben sich bereits daran gewöhnt, dass sie nur ein Bild aus nur einem Blickwinkel bekommen und berechnen daher die Entfernung durch die Beobachtung der Bewegung der Objekte. Schwieriger Satz… Aber diese Menschen können sich die 13€ für ein 3D-Ticket sparen…

Okay, okay. Aber wie funktioniert 3D im Kino?

Es dreht sich also alles darum, dass die beiden verschiedenen Augen zwei verschiedene Bilder sehen. Bei einem normalen Film ist es aber so, als sähe man wie Pam eine schnelle Abfolge von Fotos. Also kein 3D… Wie bekommt man jetzt zwei separate Bilder zu den zwei separaten Augen?

Die Technik

Beim Dreh eines 3D-Films sind immer zwei Kameras auf einem speziellen Stativ montiert, dass den Winkel der beiden Kameras zueinander abhängig vom Zoomfaktor bzw. der Brennweite und dem fokussierten Objekt anpasst. Bei den menschlichen Augen kann man das auch sehr gut beobachten: Wenn wir auf einen weit entfernten Berg gucken, sehen unsere Augen in die gleiche Richtung, es scheint, als bildeten die Blicke zwei parallele Linien (das ist nicht so, aber es scheint so…). Wenn wir aber einen Bleistift ein paar Zentimeter von unserer Nase entfernt halten, so sind beide Augen auf den Bleistift ausgerichtet und wir schielen nach innen.

Bei Animationsfilmen berechnet das verwendete Programm die beiden Bilder, die dann digital gespeichert werden. Digital ist übrigens auch ein Stichwort. Denn erst die digitale Aufnahme, Verarbeitung und Ausspielung ermöglicht es, die beiden Bilder genauestens synchron zu zeigen und macht den 3D-Effekt erst sichtbar.

*Die Technik: *Farbfilter

Wer kennt nicht die alten blau/roten oder rot/grünen Billen, die früher in vielen Fernsehzeitschriften zu finden waren, wenn ein Fernsehsender mal wieder einen tollen 3D-Film zeigte? Ich habe mit diesem Verfahren einmal „Spy Kids: Mission 3D“ geguckt und es war scheiße, denn das ganze Bild wirkte irgendwie grau und verschwommen. Wie man genau die beiden Bilder zu den Augen bekommt und mithilfe von Farbfiltern trennt, weiß ich nicht, aber es interessiert mich auch nicht, denn es ist hässlich.

*Die Technik: *Polfilter

Fotografen kennen bestimmt die Polfilter zum Aufstecken auf die SLR, mit denen man Lichtreflexionen von Fensterscheiben eliminieren kann. Genauso arbeitet auch diese 3D-Technik. Ein Projektor projiziert das eine Bild durch einen vertikalen Polfilter und dieses Bild kommt auch nur bei dem Auge an, vor dem ebenfalls ein vertikaler Polfilter sitzt. Beim anderen Bild und Auge passiert das ganze nochmal in horizontal. Diese Technik findet Verwendung in einigen Freizeitpark-Möchtegern-4D-Kinos, nicht aber in richtigen Kinos, weil man nicht den Kopf drehen darf.

*Die Technik: *Gedrehtes Licht

Ja, das gibt’s wirklich! Gedrehtes Licht! Super. Stellen Sie sich voriges Prinzip vor und ersetzen Sie die Polfilter durch „Dreh-Filter“. Das Ganze hat den Vorteil, dass man bei dieser Technik den Kopf drehen darf. Deshalb auch kinotauglich.

*Die Technik: *Shutterbrillen

Bei einigen 3D-Fernsehern kommt die sogenannte Shuttertechnik zum Einsatz. Hier zeigt der 200Hz-Fernseher z.B. für eine zweihundertstel Sekunde das eine Bild und dann das andere. Die Brille, die man auf hat, ist mit diesem Bildwechsel synchronisiert und macht im richtigen Moment das richtige Auge dicht. Nachteil: Brillen haben aktive Technik in sich (die Shutter) und sind entsprechend teuer und unter Umständen empfindlich. Und sie brauchen Akkus…

Jaja, genug Technikgeschwafel. Warum muss ich jetzt kotzen?

Die Wahrnehmung, die wir wahrnehmen^^, ist die Summe aus allen Sinneseindrücken, die unser Gehirn bekommt. Wir sehen im Kino nicht nur, sondern wir hören auch den Ton, der von allen Seiten kommt. Außerdem hören wir den Typen neben uns, der geräuschvoll seine Tortilla-Chips frisst. Wir schmecken Cola in unserem Mund und spüren den bequemen Sessel unter uns. Und wieder die Tortillas: Die Käsesoße stinkt (wir riechen…). Aus all dem erstellt unser Gehirn eine Sinneswahrnehmung, die umso angenehmer und stimmiger wirkt, desto besser die einzelnen Teile zusammenpassen. Wenn wir also in einem Flugzeug sitzen, dann sehen wir beim Start die Startbahn an unserem Fenster vorbeizischen, wir hören, wie das Flugzeug beschleunigt und fühlen die Beschleunigung, die unseren Körper in den Sitz drückt. Alles stimmig. Uns wird aber trotzdem schlecht, weil wir es von Natur aus nicht gewohnt sind, zu fliegen. Schlechtes Beispiel… Okay, wir gehen. Wir sehen, wie sich die Welt um uns herum vorbei bewegt, wir spüren die Bewegung und hören unsere Schritte. Bei einem 3D-Film ist es so ähnlich. Wir sehen und hören, aber da ist keine spürbare Bewegung. Und dazu kommt noch, dass die Bilder vielleicht nicht hundertprozentig gleich laufen, vielleicht ist da ein Unterschied von 40 Millisekunden, das reicht unter Umständen schon.

Und was kann man dagegen tun?

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf künstlich geschaffene Realitäten. Die einen finden es einfach nur atemberaubend, die anderen übergeben sich nach dem Film in den nächsten Mülleimer. Man kann diese Sensibilität bestimmt abtrainieren oder abschwächen, so wie man sich auch gegen Allergien desensibilisieren lassen kann, aber wenn man empfindlich ist, sollte man vielleicht einfach nicht unbedingt in jeden 3D-Fim gehen, der rauskommt.

Allerdings gibt es ein paar Dinge, die helfen können, wenn Sie Probleme mit 3D haben:

· Geben Sie sich dem Film hin.
Wenn Sie schon von Anfang an mit dem Gedanken in den Kinosaal treten, dass Sie schlecht auf 3D reagieren, werden Sie keinen Spaß daran haben. Versuchen Sie, nicht auf ihr schlechtes Gefühl zu achten.

· Folgen Sie dem Vordergrund.
Wie auch bei 2D-Filmen ist auch bei 3D immer nur das scharf, was im Vordergrund steht. Wenn Sie ihre Augen von dem Wassertropfen abwenden, der da vor ihrem Gesicht umherschwirrt, und versuchen, sich in der scheinbar realen Szene „umzuschauen“, werden Sie merken, dass, auch wenn Sie es versuchen, immer nur das scharf ist, was sich im Vordergrund befindet oder worauf die Aufmerksamkeit des Betrachters gelenkt werden soll. Es ist beim ersten Mal vielleicht ein wenig ungewohnt, weil Sie es aus der realen Welt kennen, dass ihr Blick sich automatisch auf das fokussiert, was Sie angucken, aber diese Einschränkung müssen Sie nun mal hinnehmen. Versuchen Sie stattdessen, aktiv dem Vordergrund zu folgen. Sie werden überrascht sein, wie viel sie dennoch vom Hintergrund mitbekommen.

· Folgen Sie keinen Objekten.
Wenn im realen Leben ein Ball an ihnen vorbeirollt, werden Sie diesem Ball womöglich hinterherschauen. Wo kommt der Ball her? Ihre Pupillen werden automatisch dem Ball folgen, sodass Sie ihn scharf betrachten können, obwohl er an ihnen vorbeirollt. Selbst, wenn eine jähzornige Oma sie schubst, wird ein Reflex dafür sorgen, dass ihre Augen eine entsprechende Gegenbewegung ausführen und Sie den Ball weiterhin scharf sehen. Der Film, egal ob 2D oder 3D, besteht aber nur aus 24 Bildern pro Sekunde, ein Bild ist also für etwas mehr als 0,04 Sekunden sichtbar. Das erscheint zwar erst einmal sehr schnell, aber wenn Sie es ausprobieren, werden Sie sehen, dass Sie den Film-Ball zwar verfolgen können, dieser aber unscharf wird. Das verursacht auch Kopfschmerzen, gerade bei 3D-Bildern, da das Gehirn von dem sehr realistisch erscheinenden Bild mehr „erwartet“ und man sich eher dazu verleiten lässt, selbst zu entscheiden, wohin man guckt. Lehnen Sie sich zurück und lassen Sie den Film machen. Die Welt bewegt sich für Sie, Sie müssen gar nichts tun.

Hinweise

  • Dieser Text bedient sich des Stilmittels Sarkasmus. Daher ist diese Formulierung nicht als eine Aufforderung zu verstehen, sich in Gefahr zu bringen oder Selbstmord zu begehen.

Die in diesem Text gesammelten Informationen stammen alle aus meinem mit der Zeit angehäuften Wissen zum Thema. Ich habe noch nicht einmal einen Wikipedia-Artikel gelesen. Allerdings bin ich auch nur ein Mensch und kann daher etwas falsch verstanden haben. Ich wäre ihnen dankbar, wenn Sie mich auf inhaltliche Fehler aufmerksam machen würden, Rechtschreibfehler können Sie behalten. Für längere Korrekturen/Ergänzungen können Sie mich gerne über lennart.pelz@gmail.com kontaktieren.

Es ist ihnen vielleicht aufgefallen: Ich habe bei diesem Text bei 0 angefangen, und möglicherweise haben Sie sich deswegen am Anfang gelangweilt. Hoffentlich ist ihnen auch klar, dass dieser Text nicht nur informieren, sondern auch unterhalten soll. Ich erhebe hier keinen Anspruch auf Richtigkeit, Niveau oder Sachlichkeit… Danke, amen.