iOS 7-Mockups. Wenn Apple-Fanboys auf Bilder von Johnny Ive masturbieren

Oder auch:

Alternative headline: “This is what happens if half the users of Dribbble masturbate into the same .psd”thenextweb.com/apple/2013/05/…

— Marcel Wichmann (@UARRR) May 10, 2013

Was war die Aufregung groß als Apple bekannt gab, Johnathan Ive (46), Chefdesigner bei Apple, werde nach dem Rauswurf Scott Forstalls (43) nun auch in Sachen Interface-Design mindestens eine Hand im Spiel haben. Für viele Designer und auch andere Menschen, die schon einmal Photoshop geöffnet haben, anscheinend genug Anlass, das mit dem Designen mal selbst auszuprobieren. Teilweise Immer mit erschreckenden Ergebnissen.

Diese Leute denken, bei Apple gehe es ausschließlich um gutes Design. Der Schluss, „Johnnys“ sehr von Braun inspirierten altbekannten Designmerkmale würden sich deswegen in der nächsten iOS-Version finden, trügt aber gewaltig.

Apples Ziel, seine Produkte beim Auspacken nicht mit einem „Wow!“ sondern mit einem „Wooooooooow, fuck my life this looks amazing, I want to insert it into my rectum right now!“ zu verbinden, wird nämlich nicht nur durch die besten Entwickler und Designer weltweit, die strengsten Richtlinien für 3rd-Party-Entwickler und die schlichtesten und trotzdem bewegendsten Werbekampagnen erreicht. Kunden behält man am ehesten durch eines: Beständigkeit.

Soll mein Smartphone sich verändern?

Diese Frage sollte man sich stellen. Das Smartphone ist ein täglicher Begleiter im Leben. iOS damit auch. Dieses Betriebssystem hat sich seit der ersten Version, die damals nicht mal „iOS“ hieß, nur unwesentlich verändert. Schon häufiger verlauteten Techblogs, es seit Zeit für einen großen Designwechsel, um nach dem nächsten iOS-Release ohne nennenswerte Design-Änderungen wieder zu verstummen.

Meiner Meinung nach ist iOS wie es jetzt aussieht vertraut und gut. Ich will nicht wie bei einigen Herstellern von Android-Devices nach jedem der drei Updates im Lebenszyklus des Gerätes eine komplett andere Oberfläche, an die ich mich erneut gewöhnen muss. Mein iPhone ist ein Gebrauchsgerät. Genauso, wie ich es nicht in eine Panzerhülle packe, um es von jeglichem Schaden zu schützen, fliegt es auch mal mit einem Rumms auf den Tisch, wenn ich es eilig habe und mich beispielsweise schell umziehen will. Mein iPhone 4 hält das seit zwei Jahren aus. Und ich will kein anderes. <3

 Skeuomorphismus ist böse!

Als Skeuomorphismus bezeichnet man das nachbilden realer Oberflächen. In entferntem Sinne sind also auch IKEA-Möbel oftmals skeuomorph. Im iOS-Umfeld meint das aber ganz einfach die Notizen-App, die Notizzettel nachbilden will, die iBooks-App, die Buchseiten beim Umblättern simuliert, die Podcasting-App, in der sogar ein Tonband zuckt, wenn man den Clip anhält oder auf Systemebene das Leinenmuster, welches mit Lion im Launchpad und eine Version später auch im Notification Center am Mac Einzug hielt.

Da Ive Verfechter klarer Strukturen ist und übertriebener Skeuomorphismus schon länger Zielfeld einiger Kritik an iOS war, brauchten Analysten, die dem iPhone 5 schon Fingerprint-Sensoren und SD-Karten-Einschübe angedichtet hatten, nicht lange, um auch den Tod des Skeuomorphismus auszurufen.

Seitdem gilt dieser als „böse“, besagte Photoshop-Menschen hauen täglich Videos auf YouTube, in denen sich iPhones mit schrecklich entstellten Interfaces präsentieren. Nicht selten erinnern diese sehr an Windows Phone – der Marke, mit der Microsoft sich nach Windows Mobile erstmals an ein modernes Mobilbetriebssystem wagte, „Microsoft“ als Namen der schaffenden Firma quasi durch „Windows“ ersetzte und zu guter letzt die erst zwei Versionen zuvor hochgelobte und von Kritikern geschätzte „Aero“-Desktopoberfläche durch etwas ersetzte, das maximal auf Touchscreens halbgut nutzbar ist und Windows 8 in einigen Augen zum „größten Produktflop seit ‚New Coke‘“ machte. Nebenbei nannte man diese floppende Oberfläche noch „Metro“ und ließ sich diesen Namen von der deutschen Metro AG wegnehmen. Schon lustig, diese Story um Microsofts Unfähigkeit. :D

Meiner Meinung nach ist iOS mit dem heutigen Design ein guter Mittelweg zwischen der totalen Unordnung unter Android (was natürlich auf die Oberfläche des Herstellers ankommt) und der absoluten Gleichheit unter Windows (Phone/8), die das Erkennen von Symbolen deutlich verlangsamt. Natürlich gibt es immer Raum nach oben, etwa bei reinen Logik-Fehlern im Design. Warum das Notification Center als logisch über dem Home Screen schwebendes Element die gleiche Leinen-Textur aufweist wie die unter dem Home Screen erscheinenden Ordner-Öffnungen, weiß nur Apple selbst. Lösung wäre hier, wie so oft von Jailbrak-Entwicklern zu klauen Inspirationen anzunehmen und das Notification Center halbtransparent zu gestalten. Auch bin ich gegen übertriebene Skeuomorphismus-Elemente – niemand braucht besagte Tonbänder in Apples Podcasting-App. Auch die Blätter-Animation in iBooks und lederne Kontakt- und Kalender-Apps auf dem Mac sollte man auf ihre Alltagszuträglichkeit hin prüfen. Aber gerade die sehr frei gestalteten und durch ihre einheitliche Form und den teilweise vorhandenen „Schein“ doch aufgeräumt wirkenden App-Icons lassen meine Liebe zu iOS nicht sterben. Mit diesen Icons erkennt man schnell und sicher, was man gerade zu öffnen versucht und hat trotzdem nicht das Gefühl, einen Schreibtisch voller Krimskrams auf seinem Mobiltelefon zu beherbergen.

Skeuomorphismus ist – wenn auch maßgeblich durch den rausgeworfenen Forstall begründet – zu einem iOS-Kernelement geworden. Es macht iPhones zu iPhones, iPads zu iPads, iPod Touches zu iPod Touches und Macintoshs zu Macintoshs sowie Hackintoshs zu Hackintoshs. Apple, Spezialist darin, Kunden an sich zu binden, wird dieses Kernelement nicht über Bord werfen, auch nicht wenn unzählige Leute weiter Windows Phone-Screens auf iPhones klatschen.

Danke Apple für diese Beständigkeit! <3

Danke Google, dass du mit Android ein so offenes Betriebssystem entwickelt hast, auf dem Samsung zukünftige iPhone-Funktionen erproben kann.

Und danke Microsoft, dass du mit dieser Scheiße von Mobilbetriebssystem und gekauften Marktanteilen Nokia den Arsch gerettet hast. Die entwickeln jetzt nämlich die Hardware der Smartphones von morgen mit dem Betriebssystem von gestern. Aber immerhin sind sie nicht tot, wie Research In Motion Blackberry. :D

(Bottom line: Freie Marktwirtschaft ist toll und vor allem: Es lebe der Kapitalismus!)

Update:

Nope, Apple ist genauso eine scheiß Firma, die ihre Kunden verarscht, ihre eigenen Prinzipien einfach so über Bord wirft, die Eleganz ihrer Produkte bis zu deren Unbenutzbarkeit ausreizt und seinen Kunden aufgrund von Konzernverfeindungen nachweislich das schlechtere Produkt anbietet.

(Ich denke, dass Ive nun auch gehen sollte – es gibt noch andere gute Designer, die ihr Ego nicht auf Kosten der Nutzer in ein unfertiges Produkt ejakulieren müssen…)