IoT: Einleitung, oder „Home Automation ohne Bullshit“

Tsia und ich wohnen jetzt seit gut einem Dreivierteljahr in unserer Wohnung in Hamburg. Wir haben seitdem viele Möbel gekauft, mehrmals den Keller umgeräumt, sind von der WillyTel-Fritz!Box auf einen PC-Engines-basierten Router mit NPTv6 umgestiegen und für Gäste haben wir Freifunk an unseren fünf WiFi-AccessPoints im Büro, Schlafzimmer, Wohnzimmer, Balkon und Terrasse.
Wir haben einen Raspberry Pi, der nichts anderes tut, als Logs und Metriken aller Geräte im Netzwerk auf eine verschlüsselte USB-Festplatte zu schreiben und daraus bunte Graphen zu erstellen und wir finden es aus irgendeinem Grund sehr awesome, wenn sich in diesen Graphen zeigt, dass die eigens dafür angepasste Antenne nun ADS-B-Nachrichten von 200 km entfernten Flugzeugen empfangen kann.

Es ist recht offensichtlich: wir sind nicht das typische Paar, das zum ersten Mal in eine gemeinsame Wohnung zieht und sich dann über die Farbe von Kissen streitet.
Wir sind Nerds die Blinkenlights mögen und bei denen es keinen „Woman Partner Acceptance Factor“ gibt. Es ist nicht schlimm, wenn wir ein bisschen basteln müssen, um ans Ziel zu gelangen, denn auch der Weg ist das Ziel.

Ist es besonders „smart“, wenn man Lampen mit einer App auf dem Smartphone ein- und ausschalten oder auf einem Display sehen kann, dass es gerade draußen regnet?
Wirklich praktisch ist dieses reine Verlagern von Schaltstellen nicht – spätestens wenn man spät abends nach Hause kommt und umständlich die Philips Hue-App öffnen muss, wird auch der größte IoT-Fan den normalen Lichtschalter vermissen. Klar, man kann natürlich 1000€ für 20 Philips Hue-Lichtschalter ausgeben, aber dann ist man halt sehr, sehr dumm.

Übersehen wird dabei folgendes: Sensor Fusion ist geil.
Wenn man dem wie auch immer gearteten System durch Sensoren „Sinne“ geben kann, dann braucht es keine allzu komplizierten Logiken, um Dinge wie Beleuchtung, Verdunkelung oder auch Heizungssteuerung mehr oder weniger ohne manuelle Interaktion mit Menschen zu handhaben. Dafür braucht man auch keine künstliche Intelligenz oder ein neuronales Netzwerk.

Wenn das Ganze dann noch lokal, ohne Abhängigkeit zum Internet und in voller Kontrolle durch den Nutzer läuft und über Herstellergrenzen hinweg funktioniert, dann ist es wirklich smart.

Dies nur mal eben als Einleitung. In Zukunft wird es hier noch einige weitere Artikel geben, die zunächst auf architektonische Entscheidungen/Software („Warum MQTT ziemlich, ziemlich geil ist“), später aber auch auf Hardware-Dinge („Ein smarter Lichtschalter für vier Euro, dessen Batterie 200 Jahre hält“) eingehen.