Kurz durchgerechnet

Die Telekom gab heute bekannt, man wolle die „echte“ Flatrate ohne Volumenbeschränkung auch nach 2016 weiter anbieten. Die Proteste im Internet haben also zumindest hier ihre Wirkung entfaltet. Ohne zur Klärung um die drohende Abschaffung der Netzneutralität beizutragen, ist es wahrscheinlich trotzdem beruhigend für „Power User“, dass ebendiese auch nach 2016 nicht alle paar Kilometer auf der Datenautobahn einen neuen Maut-Betrag abdrücken müssen.

Die Telekom beziffert jene Nutzergruppe auf 3% ihrer Kunden. Niemand weiß, ob damit alle Telekom-Kunden gemeint sind (also auch Mobilfunk-Kunden oder Kunden der Congstar-Tochter), oder eben nur Festnetz- oder gar nur DSL-Kunden. Wenn wir davon ausgehen, dass damit die Kunden gemeint sind, die zuhause Daten übertragen, dann kommen wir auf einen monatlichen Durchschnittspreis von 41,95€ (gemessen nach dem Durchschnittswert dieser Tarifübersicht). Ein DSL-Kunde der Telekom bezahlt also durchschnittlich 41,95€ für sein komplettes Internetpaket. Ob mit oder ohne IP-TV ist erst einmal egal.

Der Einfachheit halber gehen wir von deutschlandweit 100 Telekom-Kunden aus. Diese bezahlen zusammen 4195€ im Monat. Laut Telekom verbrauchen aber nur 3% (also drei) dieser Kunden exorbitant größere Datenmengen. Im Szenario der Telekom würden also ab 2016 97 dieser 100 fiktiven Kunden nur noch insgesamt 4069,15 bezahlen. Dazu kämen die 3 Kunden, die 20€ mehr, durchschnittlich 61,95€ löhnen würden, um nicht alle paar Stunden des Saugens nachzahlen zu müssen. Für diese drei Heavy-User ein Gesamtertrag von 185,85. Zusammen mit den Ottonormalsurfern sind das 4255€.

Im Verhältnis zu den „alten“ Preisen ist das ein Plus von 1,43%.

Nach Zahlen der Telekom steht also die Wahl zwischen:

  • Netzneutralität massiv einschränken, Internetverbindungen drosseln und damit funktional kaputt machen
  • Für Standard-Kunden trotz Einschränkung auf teilweise Promillewerte der eigentlichen Leistung die gleichen Preise beibehalten
  • Für die aus Telekom-Sicht drei Prozent Power-User die Preise massiv erhöhen

oder

  • Netzneutralität wahren, Internet-Wettbewerb in Deutschland nicht schrotten und den Internetstandort Deutschland nicht weiter schädigen
  • Preise für alle gleichmäßig um 1,43% auf durchschnittlich 42,55€ erhöhen. Dieses Geld für alle gleichmäßig in den Breitbandausbau stecken

Es ist natürlich klar, dass mit diesem Plus von ca. 60ct/Kunde niemals die „Milliardeninvestitionen“ gedeckt werden können, die laut Telekom nötig sind. Diese Rechnung soll nur zeigen, dass die Argumentation der Telekom vollkommen absurd ist, gerade nach der heutigen Abwiegelung Obermanns, nach derer mit Preissteigerungen bis 20€ für Power-User zu rechnen ist.

(Ich bin müde. Sollte da also ein Denkfehler sein, sagt’s mir per Twitter oder schreibt’s in die Kommentare. Gute Nacht. <2)