Milch in Tüten

Jetzt gerade kann ich nicht schlafen, denn ich bin bei meiner Oma, liege in dem Bett meines Halbbruders und habe heute vermutlich zu viel süßes zu mir genommen. Und jetzt ist mir schlecht. Ich weiß nicht, wie ich auf den Gedanken gekommen bin, aber es ist ja so, dass ich ziemlich oft einkaufe. Denn ich versorge mich ja selbst, im zarten Alter von gerade einmal 17 Jahren hust. Aus unerfindlichen Gründen habe ich es bis jetzt immer so gehandhabt, dass ich nicht am Anfang der Woche gleich für 7 Tage eingekauft habe. Vielleicht liegt das daran, dass ich die Einkäufe noch zu Fuß nach Hause schleppe… Jedenfalls gehe ich so jeden zweiten bis vierten Tag einkaufen. Öfter zu Edeka, seltener zu Aldi (Aldi ist weiter weg…). Mann bin ich faul.

Während ich also vor ein paar Stunden schlaflos im Bett lag, dachte ich an diese „Einkaufs-Experience“ und mir kam dieses Bild von Milchtüten in den Sinn… Keine Ahnung, warum, aber dieses Bild kommt mir ziemlich oft vor mein geistiges Auge. Es geht hier nicht um die Tetrapaks, die man heute in den Supermärkten sieht, die Milch in jeder Preisklasse beinhalten. Von Gut&Günstig bis hin zu der völlig überteuerten Bärenmarke-Milch, die von Kühen kommt, die in völliger Selbstgefälligkeit zusammen mit Bio-Gras und dicken Kindern aufwachsen, umgeben von einer idyllischen, saftig-grünen Landschaft, die außer von Bären-Rindern und dicken Kindern, bei denen sich die Kalorien aus dem überzuckerten Schüttelshake als Gynäkomastie angesetzt haben, ausschließlich von einem sagenumwobenen, dauergrinsenden Bären bewohnt wird, der unter paranoiden Wahnvorstellungen und dem Down-Syndrom leidet. Es heißt sogar, er schlachtete bereits ein paar Bären-Kühe und der mysteriöse Tod des Vaters des dicken Kindes (nennen wir es Tom), soll auch in seinen kranken Gedanken herangereift sein. Naja – soweit zur überteuerten Bärenmarke-Milch… Aber ich schweife ab.

Nein, es geht hier um die Einkaufserlebnisse, die ich im Alter von sechs oder sieben Jahren mit meiner Mutter erleben durfte. Damals war unser Stamm-Einkaufsladen der Minimal (ja, liebe Kinder früher hießen alle Rewe-Märkte mit sexy Verkäufer/innen mal „Minimal“) am Lambertiplatz, wo jetzt das Altenheim gebaut wurde:

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Jaja. Auch wenn das ganze nicht „jeden Tag ein bisschen besser“ wurde, war es für mich immer ein ganz tolles, ganz großes und ganz aufregendes Erlebnis, mit meiner Mutter einkaufen zu gehen. Als Kind ist das so – alles ist groß, toll und aufregend. Wir kamen dann immer zuerst am Obstdingens vorbei (was ja eigentlich immer so ist) und gingen dann geradewegs auf das Kühlregal zu, das die gesamte Rückwand ausfüllte. Es gibt außer den Wohnungen, in denen wir gelebt haben (es waren 4 bis zu meinem Auszug ins Heim), wahrscheinlich keinen Ort, den ich noch ähnlich detailliert im Gedächtnis habe. Würde der Minimal, oder wahlweise auch Rewe, heute noch existieren, würde ich auf Anhieb alles finden. Ich kann mich noch daran erinnern, wie Mama manchmal irgendwelche Milchschnitten schon während des Einkaufens geöffnet und mir (später uns, mir und meiner Schwester) zum Essen gegeben hatte. Obwohl die Kassiererin, die am Ende eben nur noch die klebrigen Verpackungen abscannte, nichts dagegen zu haben schien, war mir diese ganze Sache mit dem Dinge-vor-dem-Bezahlen-aufessen immer total peinlich.

Übrigens wurde aus dem spannenden Einkauf irgendwann doch Routine, und weil ich trotzdem mitkommen musste, freundete sich meine Mutter mit der Verkäuferin vom Minimal-Bäcker an, und ich konnte fortan die Zeit des Einkaufs bei der Frau verbringen und zugucken, wie sie fertig angelieferte Backwaren nur noch aufgehen ließ. Aber zurück zum Thema.

Neben euphorisierenden „JA!“ – kauf mich-Produkten, kauften wir natürlich auch Milch. In Tüten, in richtigen Tüten. Diese wabbeligen Dinger gibt es heute nicht mehr und ich frage mich, wer diese Verpackung erfunden hat. Denn lustig sah sie zwar aus, man konnte die Milch anstoßen und sie wabbelte in der Tüte (was für eine Belustigung), doch wirklich praktisch im Gebrauch war diese Kombination aus minimal-vorhandener Verpackung und spaciger Halterung nicht, denn nicht allzu selten landete die Milch, gerade in meinem damals noch einstelligen Alter, nicht in der Tasse oder der Müsli-Schale (lecker Müsliii^^), sondern auf dem Tisch, dem Fußboden, auf Sesseln oder Teppichen.

Doch dann kam Tetrapak…