Nach einem Anschlag…

In Paris gab es letzte Nacht eine schreckliche, terroristische Anschlagsserie. Hier ein paar Dinge, die oft nach solchen Terroranschlägen passieren.

  • Überall steigt die Angst. Es ist eine diffuse Angst à la „das hätte ja auch bei uns passieren können“ – interessanter Weise scheinen Anschläge in unmittelbarer Nähe betrauernswerter zu sein als beispielsweise jene, die in Regionen, aus denen Menschen zu uns fliehen, zu einer grausamen Normalität geworden sind
  • Man sucht Täter und deren Hintergründe. Währenddessen suchen dumme Menschen medienwirksam Schuld bei Personengruppen, die natürlich als ganze sowieso nicht „Schuld“ an einem solchen Anschlag haben können. Weil nun aber überall diese diffuse Angst herrscht, finden sie Gehör, auch in der „Mitte der Gesellschaft“
  • „Mitte der Gesellschaft“ heißt nun, die latenten Ressentiments gegenüber [Religion oder ethnische Gruppe hier einfügen] endlich äußern zu dürfen („das wird man ja wohl noch sagen dürfen“). Wer Politik als eindimensionales Band zwischen links und rechts versteht, sieht die „Mitte“ nach rechts rücken
  • Auf Basis der Angst in der Gesellschaft sehen Regierungen den Rechtsstaat nicht mehr so eng. Es werden Gesetze zur Terrorabwehr verabschiedet, die nicht selten die Überwachung völlig Unbeteiligter rechtlich vereinfachen. Weil sich die breite Masse aber (un)mittelbar bedroht fühlt, finden solche Gesetze große Zustimmung
  • Es werden kleine Bildchen gebastelt, die dann hoffentlich ein viraler Erfolg werden. Plötzlich ist Trauer nicht mehr selbstverständlich, sondern muss in sozialen Netzwerken – nicht selten selbstdarstellerisch – bekundet werden. Am Ende stellt sich die Frage, ob nicht diese virale Trauer-Darstellung weiter zur diffusen Angst beiträgt und vielleicht das ist, was Terroristen bewirken wollen

(Ich hoffe sehr, dass es diesmal anders ist.)