Smartphone-Roundup 2013

Wer dieser Tage ein Smartphone kaufen will, sieht sich zuerst einmal vor einer entscheidenden Entscheidung^^: Android oder iPhone.

Auch ich merke, dass mein iPhone 4 immer langsamer wird. 32GB sind für mich audiophilen Schwachmaten eigentlich zu wenig und auch die Hardware an sich ist schon etwas lädiert: Seit ca. anderthalb Jahren fehlt meinem geliebten „pelzphone“ der Proximity-Sensor, der beispielsweise das Display ausschaltet, wenn man das Telefon bei einem Anruf ans Gesicht hält. Ich hatte ihn beim Austausch des Power-Buttons einfach mal vergessen und aus Angst, bei einem zweiten totalinvasiven Eingriff mein iPhone vollends zu zerstören, das nachträgliche Einbauen immer wieder nach hinten verschoben.
Es ist also Zeit für ein neues Gerät.

Mein iPhone

Vom 4er zur Grafikmisere

Das iPhone 4 war damals mein erstes Apple-Smartphone. Davor konnte ich mich schon durch einen iPod Touch an iOS gewöhnen. Mit iOS 7 sind wir nun bei der letzten supporteten Version angelangt. Ich habe sie nicht installiert, wurde doch während des Beta-Zeitraums an allen Ecken vor der Installation auf alter Hardware gewarnt. Der übermäßige Gebrauch von Bewegungseffekten beanspruche sogar das 4s sehr stark, die Akkulaufzeiten auf alten Geräten seien generell etwas kürzer. Ich habe es also gelassen, auch weil mir iOS 7 bis heute nicht gefällt. Klar, meine Aufregung damals™ war sicherlich sehr hysterisch, hat aber trotzdem bis heute Bestand. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man beim Imitieren von Oberflächen (=Skeuomorphismus) nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig des Guten ansteuern sollte. Wenn im Hintergrund genutzte Textiloberflächen der Bedienung nicht zuträglich sind, kann man sie sicher weglassen. Dass man aber in iOS 7 fast vollständig auf Dreidimensionalität verzichtet, ist einfach deshalb doof, weil Buttons nunmal gedrückt werden, selbst wenn dies nur virtuell auf einem Touchscreen passiert. (Dezente) 3D-Effekte liegen hier also nahe. Auch die sehr feingliedrigen Symbole und Schriften, die man unter iOS 7 systemweit findet, sind de facto schwerer lesbar, weil das Gehirn sie anders „liest“ als ausgefüllte Symbole. Noch immer macht iOS 7 auf mich nicht den Eindruck dem Nutzer helfen zu wollen. Eher scheint es, um jeden Preis „Innovation“ herausschreien zu wollen. Bei der Vorstellung des ersten iPhones sagte Steve Jobs auf der Bühne, man habe die Oberfläche von iOS 1-6 über Jahre entwickelt. Ob das nun stimmt oder nicht – wenn man Interna wie die, dass iOS 7 in nur 8 Monaten, oder die Springboard-Icons nicht von Apple-Interface-Designern, sondern vom Apple-Marketingteam entwickelt wurden, frage ich mich, welchen Stellenwert Qualität bei Apple noch hat. Wobei die Frage berechtigt ist, ob Qualität bei irgendeinem Hersteller noch einen Stellenwert hat. Und ob sie noch nötig ist, wenn man nach spätestens zwei Jahren ein neues Mobiltelefon anschafft…

Einfachheit & Verbreitung vs. Sicherheit & Individualität

Doch leider gibt es auch noch zu viele Dinge, die für iOS sprechen. iCloud ist mit Abstand der einfachste Weg, um seine Daten synchron zu halten. Ich nutze es gegenwärtig für Kontakte, Notizen, Erinnerungen und Kalender. Gmail bin ich allerdings über die Jahre treu geblieben. Der iOS-AppStore ist und wird auch in Zukunft ungeschlagen bei Vielfalt und Qualität der Apps bleiben. Zu erfolgreich ist der Prinzip der rigiden und autoritären Zulassungspolitik von Apple, gerade auch, wenn es um Tablet-angepasste Apps geht. Im Tablet-Bereich gibt es zum iPad eigentlich keine Alternative, so schade das auch ist. Wenn man sich auf einem Android-Tablet nicht auf ein paar Reader, Surfen und Mails beschränken will, wird man unweigerlich auf unangepasste, hochskalierte Apps treffen, deren Benutzung alles andere als praktisch ist. Und wenn man dann eh ein iPad hat, nutzt man auch ein iPhone, schließlich braucht man dann viele Apps nur ein Mal zu kaufen.
Ein weiteres sehr starkes Argument ist Messaging. iOS und mein geliebtes OS X haben iMessage, Android nicht. WhatsApp wird aus meiner Sicht zu sehr von Assis geflutet, ist zu instablil, hat keinerlei Synchronisation zwischen verschiednen Geräten und ist an eine Handynummer gebunden, was heute nicht mehr zeitgemäß ist. Facebook-Messenger ist bäh, allein schon, weil ich Facebook nicht noch mehr private Daten zuschieben möchte. iMessage ist verschlüsselt, Ende zu Ende. Die Schlüssel liegen zwar bei Apple, aber außer Apple kann niemand die Nachrichten mitlesen (hahaha, wie beruhigend… :D). Außerdem punktet iMessage mit seiner Verbreitung. Von den Features vergleichbare, plattformübergreifende Messenger (die es ja zu Hauf gibt), werden von den Nutzern aus Bequemlichkeit nicht angenommen, es gibt schließlich WhatsApp. Nutzer sind dumm. Menschen sind dumm. Sagte ich bereits, oder? ^^

Ein Messenger ohne Nutzer bringt nichts. Natürlich wäre es supertoll, wenn alle Menschen die ich kenne einen Jabber/XMPP-Account hätten (den sie durch Gmail schon haben, es aber nicht wissen^^), denn dann könnte ich einfach meinen eigenen XMPP-Server laufen lassen und wäre Herr über meine Nachrichten. Aber so läuft es nunmal nicht.

Wo wir gerade beim Selbsthosten sind: Ich habe Ende 2013 ein bisschen mit Groupware-System experimentiert und weiß nun, dass ich definitiv niemals einen Mailserver selbst hosten will. Für Kontakte, Notizen, Kalender und Erinnerungen wäre ich allerdings bereit, etwas auf meinem Server zu installieren. Apple bietet den dazugehörigen Server (der auch Bestandteil der Server.app ist) unter freier Lizenz und lauffähig unter Linux an. Yay. Diesen könnte man dann von Android und von iOS aus nutzen.

Fassen wir zusammen

Wahrscheinlich wird es wieder ein iPhone werden. Ich hätte gern die Freiheiten, die Android bietet, denn unter OS X (welches ja auch von Apple ist) habe ich sie auch. Leider sind die Argumente für iOS noch zu stark, AppStore und iMessage besonders, iCloud eher weniger. Jailbreaken ist noch attraktiver als der Cyanogenmod. Die Hardware ist auf beiden Seiten natürlich zum Altern verurteilt und generell eher Mist. Egal welches Betriebsystem läuft, der Plaste/Alu-Scheiß wurde in China unter unmöglichen Bedingungen gefertigt. Android ist Java-basiert, was mir trotz Freiheiten dann auch irgendwie Bauchschmerzen bereitet. Also Apple. iOS. Zuerst hatte ich die Idee, mir bei eBay ein gebrauchtes iPhone 5 und ein iPad 4 zu ergattern, welche noch nicht auf iOS 7 geupdatet wurden, um noch ein bisschen länger die „jahrelang“ entwickelte UI genießen zu können. Doch jetzt ist der iOS 7-Jailbreak draußen und so kann ich auch unter dem neuen iOS all diese praktischen Kleinigkeiten nutzen, die mein iPhone seit Jahren zu *meinem *iPhone machen. Da immer mehr App-Anbieter verständlicher Weise der Konsistenz wegen auf iOS 7-Design umsteigen, werde ich mich mittelfristig damit arrangieren müssen. Das ist zwar scheiße, aber man bekommt im Leben schließlich nie genau das was man will. You can’t always get what you want. Es muss also nicht unbedingt ein iPhone 5 sein, vielleicht wird es auch ein 5c. Das 5s ist mir zu überladen. Ich brauche auf einem Telefon (noch) keine 64-bit-Architektur und nach Aussagen von Twitter scheint Apple auch noch immer Probleme damit zu haben. Ein iPhone 5c wäre also ausreichend: Zwar Plaste, dafür aber mehr LTE-Frequenzen als das 5er. Tabletmäßig weiß ich, dass ich das Ding weder zum Videoschneiden (Gott bewahre!) noch zur Fotobearbeitung (Gott bewahre noch mehr!) nutzen werde, also brauche ich nicht das allerneueste iPad Air. Ein bisschen Filme schauen (über Plex), ein bisschen Tippen (WordPress zum Beispiel, oder Tagebuch, was ich in 2014 wieder verstärkt in Angriff nehmen will) und natürlich Lesen. Dafür reicht ein iPad 4, mir gefällt der breitere Rand eh besser (und Steve Jobs übrigens auch).

In diesem Sinne hier meine „ToBuy“-Liste, die ich in 2014 möglichst abarbeiten werde:
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Frohe Weihnachten nachträglich an alle, denen ich es nicht schon persönlich gewünscht habe und ein supertolles neues Jahr.