Starbucks

Früher waren Kaffeehäuser ein Ort des intellektuellen Austauschs. Zusammensitzen mit fremden Menschen und Meinungen und dabei ein stimulierendes Getränk trinken (im Gegensatz zum damals üblichen Tagesgetränk Bier).

Heute sitzt man auch mit fremden Menschen zusammen, nur bekommt man von denen nicht allzu viel mit, denn es gibt ja kostenloses WiFi. Und klar, das Internet ist auch nur ein Medium und intellektueller bzw. Meinungsaustausch ließe sich darüber super realisieren. Aber so sind Menschen nicht.

Stattdessen schauen alle durch die kleinen Bildschirme zwar ins Internet, dort jedoch in ihre eigene kleine Meinungswelt.
Impfgegner haben ihr Impfgegnerforum, für politische Ansichten verzieht man sich in die jeweilige Ecke bei Facebook, Putingegner und Antiamerikaner bestellen womöglich beide Venti® Frappuccinos®, bewegen sich im Internet aber höchstens beim Online-Banking auf den gleichen Seiten.
Und yay: auch Chemtrail-Schwachmaten finden irgendwo eine bestätigende Seite.

Statt die eigne Meinung ab und an mit anderen Menschen zu diskutieren, holen sich die Leute nach dem Hotspot-Login eine Ladung Bestätigung aus ihrer Filterblase ab. Niemand hinterfragt mehr die eigenen Gedanken, stattdessen schaukeln sich alle gegenseitig zu absoluter Selbstverherrlichung hoch.

So kommt zum leckeren aber ungesunden Genuss des Zucker/Koffein-Breis auch noch das wohlige Gefühl, immer recht zu haben.

DasInternet™ hat auf diesen Trend wunderbar reagiert und fördert ihn noch dadurch, dass immer mehr Anbieter ihre Inhalte an die Interessen der Nutzer anpassen. Bestätigte Nutzer sind glücklichere Nutzer und glückliche Nutzer sorgen für eine hohe Conversion-Rate oder zumindest für häufigere Besuche der Seite.

Ich frage mich, wie viele journalistische Recherchen schon durch von Google an die Interessen und Meinungen des Redakteurs angepasste Suchergebnisse beeinflusst wurden.