Verteidige dein Netz, verteidige deine Presse, verteidige deine Logik

Ach Deutschland, du Leistungsträger Europas, du IT-Standort schlechthin, du Land der Dichter und Denker. Wir, die Deutschen Zeitschriftenverleger haben ein großes Problem:

Wir gehen pleite. Ja! Printmedien sterben wie Eintagsfliegen im Winter und so langsam merken wir, dass man mit von der dpa kopierten Agenturmeldungen nicht wirklich Geld verdienen kann. Wir haben keine guten Autoren, die sich für unsere Online-Angebote hergeben, weil die, die wirklich Klasse haben, zu borniert für das Web sind und zu engstirnig, um zu merken, dass ihnen die Leser davonlaufen. Unsere selbstverfassten Web-Inhalte kommen also nie über die Grenze zusammenkopierter Zitate anderer Medien und Berichten über sterbende Haustiere hinaus. Was machen wir also? Besser werden? Nein, das wäre ja viel zu viel Aufwand…

Liebe Regierung,

da du eine ähnlich ablehnende Haltung zum Internet hast wie unsere bornierten Hochklasseautoren, bitten wir dich inständig um ein Gesetz. Ein…äh…Leistungsschutzrecht. Das klingt beim gemeinen Bürger erst einmal nett. So, als ob etwas wichtiges geschützt würde.

Wir haben nämlich von den einzigen denkenden Menschen in unseren Reihen, den Administratoren unserer Websites, erfahren, dass rund die Hälfte des Traffics von Google kommt. Klar, Google hat ja auch einen Marktanteil von über 80% in Deutschland. Kann man sich da nicht ein bisschen Geld holen…?

Wir schlagen vor, dass das Gesetz mit dem Schutz unserer Werke argumentiert. Schließlich muss man unsere armen Autoren (bzw. die der dpa) schützen. Es trifft sich gut, dass Google die sogenannten „Google News“ anbietet: Einen abgespacten Dienst, mit dem man sich Vorschauen unserer Artikel anzeigen lassen kann. Die Vorschauen sind so lang, dass man sagen könnte, die fielen nicht mehr unter das Zitatrecht. Cool! Es gibt zwar die Möglichkeit, die eigene Website aus dem Google News-Index zu nehmen, aber hey: nicht unsere Administratoren machen das Gesetz – wir machen es. Zudem weiß der Bürger es ja nicht besser. Unwissenheit ist so toll. Außerdem wäre es Selbstmord, sich aus irgendeinem Google-Index zu löschen. Ich meine, hallo, es ist Google!

Aufgrund der Vorschauen in Google-News könnte man dann Geld von Google verlangen. Das Gesetz könnte man später auch auf Blogger und dergleichen ausweiten, Deutschland ist ja vielmehr Presse- als Internetstandort. Und weil wir das geil finden, sollte es auch so bleiben! Zunächt wollen wir aber medienwirksam gegen Google schießen. Puh, gut dass Google ein US-Konzern ist, da kann man dann viele Konservative hinter sich verbuchen. Hach, die Welt ist schon toll.

Dass Google überhaupt Geld verdient ist ja ein Unding. Geld verdienen dürfen nur Deutsche Presseverlage. Dass das Konzept Googles sich mit dezenter Werbung auf Suchergebnisseiten zu finanzieren so gut aufgeht, finden wir mehr als scheiße. Schließlich hat genau dieses Webungs-Konzept bei uns nicht funktioniert. Wir könnten jetzt natürlich zugeben, dass wir auch auf diesem Gebiet unfähig sind, aber das wäre zu einfach. Wir prangern das lieber an. Ja, ein böser Amerikanischer Konzern, der fast so viele Daten sammelt wie wir (im Gegensatz zu uns aber „böse“) und der böse Geld mit Werbung verdient. Sowas von böse! „Pfui“, könnte man sagen. Da stimmen uns die Konservativen sicher zu.

Es spielt dabei auch keine Rolle, dass wir primär Google News anprangern, wo keine Werbung gezeigt wird. Nein, für das Listing auf der normalen Suchergebnisseite sind wir dankbar! Heimlich, versteht sich. Wo soll der Traffic denn sonst herkommen? Von regelmäßigen Lesern? Hahaha, bei der „Qualität“? Sicher nicht.

Mit Glück macht es Google anders als in China und fügt sich dem Gesetz. Dann wären wir unsere finanziellen Sorgen los, ohne auch nur einen Finger zu krümmen. Und wenn nicht, würden wir es uns halt von Bloggern holen. Dauert länger, würde in vielen Fällen unsere eigenen Quellen (abgesehen der dpa) treffen, bringt’s aber auch. Wenn Google uns doch aus dem Index schmeißt, können wir ja immer noch zurückrudern, ganz arbeitslos wollen wir schließlich nicht sein.

Also, liebe Regierung… Nachdem ihr mit der Vorratsdatenspeicherung, dem Internet-Stoppschild oder den „Sendezeiten im Netz“ bewiesen habt, dass euch das Internet als Kommunikationsmedium des Jahrtausends auch scheißegal ist: würdet ihr uns dieses kleine Gesetz klarmachen? Bitte bitte bitte?

Freundliche Grüße
euer VDZ <3