Was Video-Streaming-Dienste können müssen

Nachdem Spotify in Deutschland innerhalb weniger Zeit (und trotz einiger Nachahmer aus Deutschland) zum erfolgreichsten Musk-Streaming-Dienst aufsteigen konnte, wird es eine ähnliche Entwicklung auch im Videobereich geben. Unternehmen sind da. Watchever etwa, welches heute noch eine lächerlich kleine Bibliothek und lächerlich schlechte Apps anbietet, hat es zumindest auf das Apple TV geschafft und könnte mit den richtigen Entscheidungen eine ähnliche Laufbahn wie Spotify hinlegen. Es wäre damit das deutsche Netflix. Wenn es dann vielleicht irgendwann doch ein gemeinsames Video-Portal der deutschen Privatsender gäbe, an dem sich das Kartellamt nicht störte, wäre der legale Medienmix perfekt. Deutschland hätte ein Angebot an Fernsehsendungen und Filmen auf Abruf, das illegale Downloads eindämmen könnte.

Um illegale Downloader dazu zu kriegen, ihre Serien doch lieber legal und gegen Geld zu beziehen bedarf es mittlerweile ein paar Dingen:

Qualität:
Der gemeine illegale Downloader gibt sich nicht mehr mit aus dem Kino abgefilmtem Material zufrieden. Meist sind es schon auf BluRay erschienene und von jener blau abgetasteten Scheibe extrahierte Dateien, die im Internet dargeboten und dankend angenommen werden. Es geht dabei zunehmend um ausreichend Datenrate und Auflösung, um die Filme und Serien auch auf dem „großen“ Fernseher in guter Qualität anschauen zu können. Schnelle Verbindungen und intelligente Distributionssystem wie Torrents machen auch riesige Downloads zu einer machbaren Sache.

Aktualität:
Immer mehr Menschen geben sich gerade bei Fernsehserien nicht mehr mit der teilweise erst viele Monate später erscheinenden Synchronfassung zufrieden. Nicht nur stammen viele der heutigen Publikumslieblinge aus den USA oder Großbritannien, auch ist der Wortwitz und die Sprache der Serien im allgemeinen immer filigraner, sodass eine Synchronisierung schwierig wird. Wer den illegalen Downloader locken will, muss Episoden direkt nach der TV-Ausstrahlung in den USA im Originalton anbieten und nach der deutschen Ausstrahlung im privaten TV die „gedubbte“ Fassung nachreichen.

Preis:
Illegale Downloads kosten nichts. Der Preis, zu dem man Menschen, die an diese kostenlose Kulturflatrate gewöhnt sind, abholen könnte, wäre also höchstwahrscheinlich ein pauschaler. Er müsste groß genug sein, um komplizierte Content-Deals (wie das oben erwähnte Aktualitäts-Verfahren) zu ermöglichen und klein genug, um dem illegalen Downloader nicht zu schwer in der Tasche zu liegen. Es muss dem Anbieter klar sein, welchen Wert seine Ware hat. Spotify bietet Musik nonstop zu einem Festpreis. Und trotzdem kaufen noch genug Menschen die Alben ihrer Lieblingskünstler. Wer Hipster ist sogar auf Venyl, ansonsten zumindest in iTunes. Viele Künstler schränken ihre Alben für Spotify ein, sodass man zwar alle Standard-Tracks hören kann, die CD- oder iTunes-Version aber noch ein paar Bonustracks, Videos oder Spielereien wie eine iTunes-LP bietet. Diese Mehrwerte würden auch den Fortbestand der BluRay rechtfertigen. Außerdem muss dem Anbieter klar sein, dass Menschen Musik anders konsumieren als Filme und besonders Serien. Während man Musik – ob gekauft oder gestreamt – immer wieder hört, schaut man einen Film meistens nur ein einziges mal. Für den normalen Nutzer ist ein Kauf der BluRay also nur sinnvoll, wenn er den oben beschriebenen Mehrwert in Anspruch nehmen will oder ein Film-Regal zu füllen hat. Filme schaut man zudem vielleicht noch ein paar Mal, wenn man sie zu Hause stehen hat oder on-demand im Internet. „Hey, kennst du diesen Film schon?“ – „Nein. Lass den mal zusammen schauen!“ Serien hingegen schaut man noch seltener mehrmals. Einmal schauen, Inhalt einsaugen und auf die nächste Episode warten. So traurig es ist: Gemessen an der Zeit, die Menschen mit dem konsumieren von Filmen/Serien und Musik verbringen, ist die Musik eindeutig mehr wert.

Werbung:
Gerade die Content-Deals werden nicht billig sein. Punkt. Und höchstwahrscheinlich werden sich die Nutzer zunächst zaghaft anmelden. Ein erfolgreiches Unternehmen sollte aber nicht zunächst ausschließlich von Investoren-Geldern leben bis es feststellt, dass kein Geld mehr da ist. Langfristig wird man also auch Werbung einblenden müssen. Diese muss sich aber gut in das User-Erlebnis einfügen und sollte niemals zu aufdringlich sein (wie beispielsweise bei ProSieben.de)

Der perfekte Streaming-Anbieter:
Mein perfekter deutscher Streaming-Anbieter ist eine Kombination aus Netflix und hulu Plus. Er bietet eine in applehafter Einfachheit gestaltete Website, die komplett ohne Flash (und Silverlight) auskommt. Dazu kommen gute, an die jeweilige Plattform angepasste Apps für iPhone, iPad, Android (und dort auch eine Tablet-App) und auch für Windows und Mac OS X. Er bietet eine OAuth-Funktionalität, um schnell und sicher alle Apps verbinden zu können. Neben gekauften US-Inhalten strebt er eine Kooperation mit den Fernsehsendern an, um zum einen deren Eigenproduktionen anbieten zu können und zum anderen deren durchweg schlechten Online-VOD-Portale zu ersetzen. Er bietet mir für einen monatlichen Festpreis eine gewissen Anzahl an Filmen und Serien an, bietet darüber hinaus aber keine Hintergrund-Clips, damit die BluRay ihre Berechtigung nicht verliert. Er hebt die Social-Media- und Second-Screen-Anstrengungen der Fernsehsender auf ein neues Niveau, indem er innovative Konzepte dazu schafft. Er soll mir ermöglichen, mit meinen Freunden auf Facebook und meinen Followern auf Twitter zu teilen, was ich gerade sehe. Auch automatisiert. Als opt-in. Er soll sich in den Socal-Graph von Facebook einbinden, aber keine sinnlose Facebook-App anbieten. Er soll mir ein Second-Screen-Erlebnis bieten, wenn ich einen Film auf meinem Smart-TV schaue – etwa durch die iPhone oder iPad-App, die mir Tweets zum Thema anzeigt, Hintergrundinfos aus der imdb abruft oder (bei Live-Streams der Fernsehsender) Interaktionsmöglichkeiten bietet. Er soll in all seine Apps ein Geben-/Nehmen-Prinzip etablieren, sodass gestreamte Inhalte wie bei Zattoo oder Torrents auch wieder hochgeladen werden. So können hochqualitative Streams an ein großes Publikum auch mit wenig Serverlast gestemmt werden. Er soll mir die Möglichkeit geben, die live-gestreamten Fernsehsender auch zeitversetzt sehen zu können (wie es beispielsweise in der ZDF-Mediathek schon heute möglich ist). Er soll Werbung einblenden. Auch für zahlende Kunden. Denn das Geld der zahlenden Kunden reicht nur so lange Investorengelder vorhanden sind. Er soll sein Geschäftskonzept nicht ändern, wenn das Geld ausgeht, sondern von vornherein zweigleisig mit einem kleinen, teilwerbefinanzierten und einem großen, werbefreien Angebot fahren. Er soll Werbung auf allen Plattformen einblenden, diese aber erstens an den Inhalt und zweitens an die Plattform anpassen. Er soll unabhängigen, kleinen Filmemachern die Möglichkeit geben, ihre Filme auch ohne Verleiher im Rücken direkt anbieten zu können.

So viel dazu.