„Ziemlich scheiße, aber eigentlich ganz okay“

Wisst ihr noch, am letzten Samstag launchte ARD Aktuell die Tagesschau in neuem Gewand. Analog zum neuen Studio wurde die komplette Aufmachung aller ARD Aktuell-Sendungen runderneuert, neues Layout, neue Begrüßungsmelodie. Das Feedback war gemischt, gerade die neue Musik stieß vielerorts auf negative Reaktionen.

Der Tagesschau-Facelift ist ein gutes Beispiel für die Meinungsbildung der Deutschen. Wenn es nicht total scheiße ist, ist es eigentlich okay. Und was eigentlich okay ist, muss man ja irgendwie akzeptieren. Nach zwei Wochen hat sich der gemeine Deutsche an das Neue gewöhnt, das Alte so halb vergessen – und so lohnt sich Protest schließlich nicht mehr. Ob es nun um Trivialitäten wie die Neugestaltung der ältesten deutschen Nachrichtensendung oder um wichtige politische Enscheidungen geht: Man hat genug eigene Sorgen. Wenn die Sache also nicht komplett scheiße ist, ist man sich selbst zu wichtig, um sich damit zu befassen.

Ausnahmen gibt’s nur, wenn man von einer schon bestehenden Protestbewegung erfährt – dann protestiert man gern mit und zeigt sich von seiner besten Wutbürger-Seite.

Genau gegenteilig verhält es sich bei Dingen, die Fortschritt gut vertragen könnten und die oft nichtmal den Protestierenden betreffen würden. Dort hakt der gemeine Deutsche brutal nach, denn wehe, man ändert etwas an seiner gewohnten Umgebung.

Deutschland: eine Doppelmoral. Traurig. Aber eigentlich ganz okay.

(Und außerdem verallgemeinern wir alle viel zu sehr…)